24. September 2018 – 16:29
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Auf dem Nil sind wieder über 100 Kreuzfahrtschiffe unterwegs, das Geschäft in Ägypten brummt. „Wir liegen bei den Nilkreuzfahrten 40 Prozent im Plus. Erfreulich daran ist, dass die Reisebüros überdurchschnittlich davon profitieren“, sagt Elia Gad, Ägypten-Chef von FTI, im Interview mit Reise vor 9. Das Comeback der Nilkreuzfahrten hat mehr Zeit gebraucht“, räumt er ein. „Aber wir haben bereits eine gute Saison hinter uns und die Buchungsentwicklung für den kommenden Winter sieht sehr gut aus.“

In den Reisebüros registriert FTI ein Plus bei den Winterbuchungen für Nilkreuzfahrten von fast 90 Prozent, sagt Gad. „Der Nil lebt wieder von den Reisebüros und nicht mehr nur durch Aktionen im Direktvertrieb mit TV und anderen Medien.“ Die Kunde würden heute proaktiv im Reisebüro nach Ägypten fragen. „Das zeigt uns, dass die Investitionen in den stationären Vertrieb sich auszahlen.“

Gut 80 Prozent der Nilkreuzfahrer nehmen die klassische Route zwischen Luxor und Assuan, weiß Gad. Mittlerweile gibt es wieder einige Reedereien, die von Assuan bis nach Kairo fahren. Und einige Schiffe sind auf der anderen Seite des Assuan-Staudamms, auf dem Nassersee unterwegs, von Assuan bis nach Abu Simbel im Süden.

FTI hat die Nilschiffe in drei Kategorien eingeteilt. Zum einen Deluxe, das sind Schiffe, die von internationalen Ketten betrieben werden, zum Beispiel von Steigenberger oder Mövenpick. „Die mittlere Kategorie nennen wir Superior. Das ist auch ein gehobenes Produkt, das von lokalen Reedereien angeboten wird.“ Unter der Komfort-Kategorie versteht FTI einfache Fünf-Sterne-Schiffe.

Die Sterne-Kategorien allein helfen bei der Auswahl wenig. „Sie sind Vorgaben des Ministeriums. Fünf Sterne bedeutet eine gewisse Größe von 60 bis 70 Kabinen, es gibt einen Pool an Bord, Restaurants, Bar und Unterhaltungsprogramm. „Vier-Sterne-Schiffe sind meist älter und kleiner und bieten entsprechend weniger. Deshalb haben wir sie nicht im Programm“, sagt Gad.

Beratungsfehler in Reisebüros sieht Gad mitunter bei Senioren, die gerne Nilkreuzfahrten buchen. „Man muss aber wissen, dass diese Reisen nicht für gehbehinderte Menschen geeignet sind. Ein Highlight von Nilkreuzfahrten ist der Besuch von Jahrtausenden alten Tempelanlagen. Da hat man nicht immer einen ebenen Boden. Zudem gibt es an den Anlegestellen oft nur einen schmalen Steg an Land, auf den kein Rollstuhl passt.“

Das komplette Interview mit Elia Gad lesen Sie im Ägypten-Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe des Reise vor9 Magazins. Sie kennen das Heft noch nicht? Dann gleich für die nächste Ausgabe vormerken lassen. Jedes Reisebüro erhält ein Exemplar kostenlos! Jetzt bestellen

24. September 2018 – 15:00
lameyerachimklein

"Wir müssen den Einzelplatzverkauf deutlich stärken, um die Abhängigkeit von den Veranstaltern zu reduzieren", lautete der Auftrag, als Achim Lameyer im Juni vergangenen Jahres seinen Job als Leiter des Einzelplatzgeschäfts bei Sun Express antrat. Um das zu erreichen, war einiges zu tun. Denn der Einzelplatzverkauf funktionierte bis dato fast nur im sogenannten "ethnischen Verkehr", also bei den Reisen deutsch-türkischer Kunden zu Freunden und Verwandten in der Türkei. "Uns fehlte die Vertriebskompetenz abseits der Veranstalter-getriebenen Pfade", räumt Lameyer ein.

Reisebürofreundliche Konditionen und mehr Personal

Also galt es, auch die Reisebüros, die Sun-Express-Flüge bisher im wesentlichen als Bestandteile von Veranstalterreisen gebucht hatten zu aktivieren. Und darin brachte Lameyer von seinem vorherigen Arbeitgeber Condor einige Erfahrung mit. Ein Schlüssel auf dem Weg in den stationären Vertrieb sind – entgegen dem allgemeinen Airline-Trend – attraktive Konditionen. Neben der Service Charge, die Sun Express auch im Eigenvertrieb erhebt, um damit Wettbewerbsgleichheit zu schaffen, können Reisebüros bei größeren Umsatzvolumina auch eine kleine Provision kassieren. Sie liegt umsatzabhängig zwischen einem und fünf Prozent. Ein Prozent gibt es ab 35.000 Euro Jahresumsatz, um auf fünf Prozent zu kommen, müssen es 700.000 Euro sein.

Außerdem stockte Lameyer sein Vertriebsteam um fünf auf 25 Leute auf. Zwei von ihnen sind im Außendienst im Einsatz und pflegen die persönlichen Kontakte zu den Reisebüros. Zudem, so berichtet der Airline-Manager, könnten sich Vertriebspartner auf eine gut funktionierende B2B-Hotline verlassen. Die Erreichbarkeit liege bei 96 Prozent.

Verdreifachung des Agenturnetzes binnen zwei Jahren

Mittlerweile ist die Airline in Deutschland mit rund 1.700 Reisebüros über Toma oder als Direktagentur vernetzt. Doch das soll nur der Anfang sein. "Innerhalb von zwei Jahren wollen wir mit nahezu 6.000 Reisebüros Verträge haben und so eine flächendeckende Präsenz erreichen", kündigt der Vertriebsprofi an. Außerdem sollten die aktiven Vertriebsaktivitäten forciert werden – vor allem im Winter. Denn im Zuge der Türkei-Krise sei das zuvor starke Geschäft mit Zielgruppen wie Fußballvereinen erlahmt. Das gelte es nun wiederzubeleben.

Aktuell macht der Einzelplatzverkauf bei Sun Express 45 Prozent aus, unter den Zielgebieten variiert dieser Wert allerdings stark. Auf den Anatolien-Strecken seien es 100 Prozent, nach Antalya und Bulgarien rund 25. Am schwächsten ist das Einzelplatzgeschäft mit zehn Prozent auf den Ägypten-Strecken, da das Land fast ausschließlich über vorkonfektionierte Pauschalreisen verkauft wird. Die zehn Prozent stammten aus der dynamischen Paketierung.

Weitere Quellmärkte

Hierzulande weitgehend unbemerkt hat sich Sun Express übrigens in den vergangenen Jahren in eine Vielzahl von Quellmärkten ausgebreitet, um saisonale und konjunkturbedingte Nachfrageschwankungen abzufedern. Unter den derzeit 14 Quellmärkten außerhalb der Türkei und Deutschlands sind Großbritannien mit London-Luton, die nordischen Länder mit Oslo, Helsinki, Stockholm und Kopenhagen, außerdem Österreich und die Schweiz sowie Frankreich. Im Zuge einer "vorsichtigen Ausdehnung nach Osteuropa" sollen bis zu sieben weitere Quellmärkte hinzukommen. Für all diese Märkte arbeitet Lameyer im Vertrieb mit Aviareps zusammen.

Christian Schmicke

 

24. September 2018 – 12:35

Mit der Live Beratung in Traveltainment Bistro Portal können Expedienten in wenigen Schritten am Counter besprochene Angebote auf einer individuellen Webseite für den Kunden darstellen. Er kann die Angebote noch einmal bequem zu Hause anschauen – und das auf einer Webseite, die ganz im Stil des Reisebüros oder der Reisebürokette gehalten ist. Zu jedem Angebot findet der Kunde nützliche Informationen über Hotel und Zielgebiet sowie Wetterdaten und Hotelbewertungen (Trusted Reviews).  

Die Möglichkeiten der individuellen Anpassung der Angebotsseite sind vielfältig. So heißt eine kurze Grußformel den Kunden mit seinem Namen auf der Webseite willkommen. Gleich daneben ist ein Foto des Expedienten oder des Büroteams zu sehen, und auch das Firmenlogo ist prominent platziert. Beim Hintergrundbild kann der Expedient aus verschiedenen Motiven wählen und die Überschriften oberhalb der Angebote lassen sich ebenfalls individuell anpassen.

Individualisierung in zwei Stufen

Über das Menü Einstellungen (das Zahnrad-Symbols oben links) gestaltet der Expedient zunächst die Webseite, wie sie seinen Kunden standardmäßig angezeigt wird. Über das Menü In Vorlage springen zu… sind die einzelnen Einstellungsmöglichkeiten mit einem Klick zu erreichen:

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Im nächsten Schritt kann der Expedient verschiedene Optionen dazu nutzen, die Angebotsseite noch mehr auf den Kunden zuzuschneiden.

Ein Beispiel: Familie Jäger plant ihren nächsten Skiurlaub. In der Live Beratung öffnet der Expedient die Beratung von Familie Jäger und wählt unter Beratung bearbeiten & kommentieren durch einen Klick auf Thema anpassen als Hintergrundbild eine verschneite Landschaft aus. Unter Notiz ersetzt er außerdem die Standard-Begrüßungsformel durch eine individuelle Nachricht an seinen Kunden. Ebenso hebt er durch Aktivieren der Checkbox Unser Tipp im Register Details das Angebot, das Familie Jäger im Beratungsgespräch besonders interessierte, optisch hervor:

Bistro Liveberatung 2

Hat der Expedient die Beratung veröffentlicht und damit die Angebotsseite erzeugt, kann er Familie Jäger den zugehörigen Link persönlich oder per E-Mail zukommen lassen.

Die Module Live Beratung in Traveltainment Bistro Portal und Trusted Reviews sind kostenpflichtig.

Diesen Praxistipp hat Traveltainment für die Leser von Reisevor9.de bereitgestellt.

24. September 2018 – 11:02

PARLAMENTS- UND PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN:

Am 6. Oktober 2018 finden in Lettland, am 7. Oktober in Bosnien-Herzegowina, am 18. Oktober in Bhutan und am 20. Oktober in Afghanistan Parlamentswahlen statt. Am 7. Oktober halten Kamerun und am 28. Oktober Georgien Präsidentschaftswahlen ab. Vor allem im Nord- und Südwesten Kameruns ist mit weiteren, auch gewalttätigen Ausschreitungen zu rechnen. In Georgien sollten politische Proteste und Kundgebungen gemieden werden.

JAHRESTAGE MIT PROTESTPOTENZIAL:

Chile, 5. Oktober: Jahrestag der Gründung der ultralinken Guerilla-Gruppe FRPL im Jahr 1987. Proteste sind wahrscheinlich, symbolische Attacken auf Regierungseinrichtungen möglich. Die Sicherheitsbehörden vor Ort werden im Einsatz sein. Reisenden wird empfohlen, alle Menschenansammlungen zu meiden.
Libyen, 20. Oktober:  Jahrestag der Tötung des ehemaligen Staatschefs Gaddafi. Feiern seiner Kritiker werden möglicherweise durch Proteste von Gaddafi-Anhängern begleitet; Reisende sollten sich immer aktuell über Ereignisse an ihrem Standort informieren.
Libyen, 23. Oktober: Nationaler Befreiungstag. Der Tag markiert Libyens Befreiung von Muammar al-Gaddafis Regime. Der Jahrestag wird wahrscheinlich von landesweiten Kundgebungen begleitet werden. Dabei kann es auch zu feierlichem Gewehrfeuer kommen.

ÄNDERUNGEN DER TRAVEL RISK MAP

Malediven: Das Travel Risk Rating für die Hauptstadt Male und Addu City (Addu Atoll) wurde nach einer Überprüfung des Sicherheitsumfeldes von NIEDRIG auf MITTEL erhöht. Die Veränderung spiegelt die Gefahr von Unruhen und damit verbundenen Störungen in diesen Städten aufgrund anhaltender politischer Spannungen wider. Reisen nach Male und Addu City können fortgesetzt werden, erfordern jedoch eine genaue Überwachung der politischen Entwicklungen. Reisende sollten sich über die aktuelle Situation vor Ort informieren, um über geplante oder andauernde Proteste auf dem Laufenden zu bleiben und diese als Vorsichtsmaßnahme zu vermeiden.

Nicaragua: In den vergangenen Wochen wurde das Reisesicherheitsumfeld des Landes überprüft und daraufhin das Reiserisiko-Rating für Nicaragua von MITTEL auf HOCH angehoben. Die Veränderung spiegelt die zunehmende Bedrohung wider, die von den anhaltenden politischen Unruhen und Gewalt in Nicaragua ausgeht. Proteste, Straßenblockaden und Reiseunterbrechungen sowie regelmäßige Zusammenstöße zwischen der Opposition und den regierungsnahen Paramilitärs und Sicherheitskräften im Land gehen weiter. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das Sicherheitsumfeld in absehbarer Zeit verbessern wird. Reisende sollten weiterhin alle nicht geschäftskritischen Reisen nach Nicaragua bis auf weiteres aussetzen.

Die Angaben über bevorstehende Ereignisse in der Welt und zur Travel Risk Map stammen vom Geschäftsreisedienstleister International SOS und werden exklusiv für Reisevor9.de zusammengestellt.

21. September 2018 – 17:59
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„Die Kunden haben kein Verständnis für die neue Bürokratie“, schimpft ein Reisebüro. „Sie reagieren mit völligem Unverständnis über die Bürokratie und Papierverschwendung“, berichtet ein anderes nach zwei Monaten Erfahrung mit dem neuen Pauschalreiserecht. „Egal wie sexy wir das Thema verpacken, die Kunden wirken genervt, gelangweilt oder desinteressiert“, so eine weitere Reisebürostimme. Sie wollten einfach nur Urlaub buchen.

Auch die Reisebüros selbst lassen kaum ein gutes Wort an der Pauschalreiserichtlinie. „Wir verwalten uns schwindlig“, kommentiert eine Agentur. „Reine Papierverschwendung“, meint ein anderer Teilnehmer einer exklusiven Umfrage von Reise vor9, an der mehr als 500 Reisebüros teilgenommen haben.

95 Prozent der Reiseprofis stöhnen über einen „sehr hohen“ oder „hohen“ Aufwand durch die erweiterten Informationspflichten. Nur fünf Prozent finden ihn „erträglich“. Den Mehraufwand für die Beratung beziffern viele auf eine Viertelstunde pro Buchung. Die Erklärungen benötigen viel Zeit. „Teilweise ist das Angebot weg, bis man endlich zur Buchung kommt, dann geht Angebotssuche von vorne los“, so ein Expedient.

„Es ist wirklich schrecklich“

Besonders die neue Reiseart „verbundene Reiseleistung“ macht den Urlaubsverkäufern zu schaffen. Viele versuchen sie zu vermeiden. „Das buche ich nur auf Kundenwunsch“, sagt einer. „Es ist leider alles undurchschaubar und wirklich schrecklich“, resigniert ein anderes Reisebüro. Los kommen die Reisebüros von der verbundenen Reiseleistung aber nicht. Zwar sagt fast die Hälfte der Agenturen, verbundene Reiseleistungen machten weniger als zehn Prozent ihres Geschäfts aus. Bei fast jedem zehnten Büro ist es mehr als die Hälfte des Umsatzes.

Die Unterstützung durch die Veranstalter bewertet fast die Hälfte der Teilnehmer als „mittelprächtig“. Nur 30 Prozent fühlen sich „eher gut“ und „sehr gut“ unterstützt. Am meisten Lob bekommt Tui. „Die restlichen Veranstalter lassen zu wünschen übrig, gerade die kleineren“, bemängelt ein Büro und spricht vielen aus der Seele. „Eigentlich haben nur Tui und DER das neue Reiserecht gut umgesetzt. Bei allen anderen muss man die Informationen meist selber zusammensuchen“, kommentiert ein anderes. Ein Viertel der Reisebüros beurteilt die Unterstützung durch die Reiseveranstalter generell als „eher schlecht“ oder „miserabel“.

„Dann hat der Kunde verloren“

Besonders viel Unsicherheit herrscht beim Umgang mit Einzelleistungen wie Nur-Hotels. Hier wünschen sich die meisten Reisebüros vor allem eine einheitliche Regelung der Veranstalter. 45 Prozent der Agenturen geben dem Verkauf als Einzelleistung plus freiwilliger Absicherung den Vorzug. Die sogenannte „gewillkürte Pauschalreise“ findet im Vertrieb mit 38 Prozent keine mehrheitliche Zustimmung.

Einzelleistungen durch Kombination mit anderen Services als Pauschreise zu behandeln, ist nicht nur juristisch fragwürdig. „Sobald es verschiedene Leistungen bei verschiedenen Veranstaltern sind, hat der Kunde mehrere Pauschalreisen gebucht“, erklärt ein Reisebüro. „Er ist dann zwar gegen die Insolvenz des Veranstalters abgesichert, aber was, wenn der Flug bei Veranstalter 1 ausfällt und der Kunde bei Veranstalter 2 eine Kreuzfahrt gebucht hat? Dann hat der Kunde verloren und wir haben den Ärger.“

Thomas Hartung

21. September 2018 – 14:05
schmicke-christiangloobi-chefredakteurfoto-privat

Von Christian Schmicke

Die Dramaturgie ist immer dieselbe. Lufthansa kündigt einen weiteren Schritt zur Abkehr vom Verkauf über externe Mittler oder neutrale Buchungssysteme wie die der GDS an, und der Aufschrei der Empörung in der Branche ist ihr gewiss. Das war so, als die Airline die Provision strich, als sie die GDS-Gebühr einführte und als sie ankündigte, manche Tarife exklusiv über die Direktvertriebskanäle anzubieten. Und es ist auch jetzt so, da Lufthansa verkündet, dass sie ihre Economy-light-Tarife künftig ausschließlich über Direct Connect oder die Unternehmens-Website anbietet.

Auch die Argumente, die dagegen vorgebracht werden, sind immer dieselben. Von einer Auflösung der Markttransparenz ist die Rede, von Wettbewerbsverzerrung im Vertrieb, vom „Knüppel zwischen die Beine der Reisebüros“, die auf die Tarife nicht zugreifen können, und davon, dass am Ende die Kunden dafür die Zeche zahlen müssten.

Das alles ist wahr. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Anbieter von Waren oder Dienstleistungen in keiner Branche ein Interesse an einem transparenten Markt haben. Ob Fahrräder, Computer, Smartphones, Telekommunikation, Autos, Küchen oder Versicherungen: immer unterscheiden sich die Angebote gerade in so vielen Details, dass ein sorgfältiger Vergleich statt Klarheit meistens Verwirrung hinterlässt. Vor diesem Hintergrund ist es völlig nachvollziehbar, dass sich Lufthansa einer unmittelbaren Vergleichbarkeit im Sinne von Markttransparenz verweigert, wo immer es möglich ist.

Erfahrungswerte

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2015? Damals kündigte Lufthansa die GDS-Gebühr an und argumentierte damit, dass sie mit den 16 Euro, die sie seither kassiert, die Differenz zwischen den Kosten im Eigenvertrieb und denen, die für Buchungen via GDS anfallen, ausgleiche. In der Touristik und auch im Geschäftsreisebereich wurden daraufhin die bekannten Drohkulissen aufgebaut. „Wegsteuern!“ lautete die Parole. Der Geschäftsreiseverband VDR verstieg sich gar zu der Aussage, die Firmen, die er vertrete, könnten „bis zur Hälfte ihrer rund zwei Milliarden Euro Jahresumsatz bei der Lufthansa auf andere Fluglinien oder die Bahn verlagern“. Die Freizeitsparte der Reiseindustrie reagierte nach außen hin ähnlich.

Hinter den Kulissen aber wurden sogleich Verhandlungen über Möglichkeiten zur Umgehung der GDS-Gebühr geführt, an denen sich Firmen, Veranstalter und auch Vertriebsorganisationen beteiligten. Das Ergebnis ist bekannt. Lufthansa zog den Einstieg in den Ausstieg aus dem klassischen GDS-Vertrieb durch, immer mehr Großkunden, Veranstalter, Consolidators, TMCs und Vertriebsketten schufen Schnittstellen. Vom groß angekündigten Widerstand blieb nichts übrig.

Neues Spiel?

Mit dieser und früheren Erfahrungen gewappnet, hat Lufthansa bei jedem weiteren Schritt, der auf den Direktvertrieb zusteuert, leichtes Spiel. Zumal die GDS, die nach außen hin als Speerspitze der Empörungskultur auftreten, die Airlines gerne und für gutes Geld bei der Einrichtung neuer NDC-fähiger Schnittstellen unterstützen. Der Zug, Lufthansa, IAG oder Air France-KLM auf diesem Weg zu bremsen, ist längst abgefahren. Allerdings lehrt die Erfahrung auch, dass jedem Versuch, sich von Vergleichbarkeit abzuschotten, ein Gegenimpuls folgt. Das könnte in diesem Fall – auch wenn die GDS jetzt rufen werden: „Das sind wir schon!“ – eine neue Art von Metasearcher sein, der die Direktvertriebswege dann doch wieder mit einschließt.

20. September 2018 – 16:37
flyla-studentenportalstart-up-teamfoto-flyla

Student Fabian Höhne wollte letztes Jahr mit einem Last-Minute-Flugticket spontan und günstig verreisen. Doch am Schalter blieb er stehen, zu spät. Höhne recherchierte und fand zudem heraus, dass trotz seiner Erfahrung 20 Prozent aller Flugplätze leer bleiben. Die will er nun füllen, mit Studenten, so die Kurzfassung der Geschäftsidee des Reise-Start-ups Flyla aus München.

Zusammen mit dem Wirtschaftsinformatiker Frederic Lapatschek (22) gründete der 25-jährige Höhne das Buchungsportal Flyla. Höhne macht gerade seinen Master als Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Informatik und Finance an der TU München. Flyla ging im November 2017 online, im Februar 2018 folgte die offizielle Firmengründung. „Die Verzögerung ergab sich durch die Formalien um das bundeseigene Gründerstipendium Exist.“

Etihad und Eurowings machen mit

Flyla (sprich: Flaila) ist ein Fantasiewort. Dahinter steckt die Überlegung, „als Student einfach mal wegzufliegen und von günstigen Preisen zu profitieren.“ Nun sind Höhne und Lapatschek stolz, dass sie es geschafft haben: Die ersten Airline-Kunden (Etihad Airways und Eurowings ab 1. Oktober) sind an Bord, die eigene Buchungsplattform mit NDC-Standard ist fertig. Im Laufe des nächsten Monats sollen weitere internationale Fluggesellschaften auf der Plattform integriert werden, sagt Höhne.

Und so funktioniert das Geschäftsmodell: Flyla authentifiziert die User über einen Abgleich mit den Universitätsdatenbanken. Bei eingeschriebenen Studenten gibt es eine positive Rückmeldung. Die Matching-Algorithmen greifen dann auf verschiedene Datenpunkte zu: Studenten können zum einen mitteilen, wann sie wohin verreisen möchten. Zum anderen nutzt Flyla Informationen zu Klausurterminen, Semesterferien und weiteren, Studium spezifischen Informationen, um individuelle Angebote zu verschicken.

Algorithmus bringt Reisewunsch und freie Plätze zusammen

Höhne beschreibt es so: „Wenn ich weiß, wann ein Student verreisen kann und möchte, biete ich ihr oder ihm die günstigen Studententickets auf den noch freien Flugsitzen an.“ Eine Win-Win-Situation. Die Airline profitiert, weil sie nicht auf ihren Restplätzen sitzen bleibt. Und Flyla erhält eine einstellige Service-Gebühr.

Das System funktioniert so gut, dass das Start-up, das aktuell aus vier Mitarbeitern besteht, nun expandieren möchte und händeringend nach Entwicklern sucht. Als nächstes sollen exklusive Tipps von Studenten, die vor Ort leben, auf der Flyla-Seite erscheinen. „Mittelfristig sehen wir unsere Verdienstmöglichkeit gerade auch in Zusatzverkäufen wie dem Hostel vor Ort oder, wo junge Menschen ihre Surfbretter ausleihen…“, erklärt Höhne.

Andreas Förster

20. September 2018 – 15:30
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Ihr sei "der Kragen geplatzt", antwortet Roswitha Schlesinger auf die Frage, warum sie für das Präsidentenamt im Mittelstandsverband ASR kandidieren wolle. Außerdem sei sie von anderen Mitgliedern darum gebeten worden. "Wenn sich jetzt nichts ändert, dann können wir einpacken", sagt die Inhaberin des Reisebüros ITD Travelmanagement in Borkheide.

Vorwürfe gegen amtierendes Präsidium

Stein des Anstoßes für Schlesinger ist die Arbeit des aktuellen ASR-Präsidiums, namentlich die von Präsident Jochen Szech und Schatzmeisterin Anke Budde. Die eigentliche Strippenzieherin im Verband sei Budde, sagt Schlesinger. In deren Privatwohnung liefen derzeit sämtliche Telefonate auf, die eigentlich in Geschäftsstelle des Verbandes in Berlin bearbeitet werden sollten, die aktuell unbesetzt sei.

Zudem bewahre Budde das Mitgliederverzeichnis des ASR bei sich zu Hause auf. Darauf wolle sie als Vorsitzende des Bildungsausschusses Zugriff haben, doch der werde ihr trotz mehrmaliger Aufforderung verwehrt. Nun wolle sie diesen Anspruch mittels eines Rechtsanwalts durchsetzen.

 

ASR-Verantwortliche widersprechen

Auf Nachfrage von „Reise vor9“ weist das amtierende ASR-Präsidium, dem Jochen Szech, Anke Budde und Martin Pundt angehören, Schlesingers Vorwürfe zurück. Es sei schlicht falsch, dass die Geschäftsstelle des ASR verwaist sei und die Mitgliederdaten bei Budde privat aufbewahrt würden. Die Daten befänden sich auf dem Server und gedruckt in der ASR-Geschäftsstelle.

Richtig sei jedoch, dass Schlesinger der Zugang zu den Mitgliederdaten verwehrt werde. Dies sei schon aus Datenschutzgründen nicht möglich. Zudem gebe es einen Mitgliederbeschluss aus dem vergangenen Jahr, dass Mitgliedern die Anschriften nicht zur Verfügung gestellt werden dürften.

Zur Vorbereitung der Wahlen auf der Mitgliederversammlung vom 2. bis zum 4. November in Wien habe die Geschäftsstelle alle Kandidaten angeschrieben und um ein zweiseitiges Schreiben zu ihrer Kandidatur gebeten. Dies solle den Mitgliedern als Teil der Tagungsbroschüre zugesandt werden. Bislang sei von Schlesinger nichts eingegangen. Bisher liege offiziell auch noch keine Kandidatur von ihr vor, wie sie die Satzung vorschreibe.

 

Kommunikationsbedarf nach innen und außen

Jenseits persönlicher Fehden sieht Schlesinger beim ASR auf allen Feldern der Kommunikation Verbesserungsbedarf. Die Basis der Entscheidungsträger müsse durch eine bessere Einbeziehung des Vorstandes, aber auch der Mitglieder, erweitert werden. Derzeit gebe es keine funktionierende verbandsinterne Kommunikation. Szech und Budde fällten Entscheidungen im Alleingang, wirft Schlesinger dem Führungsduo vor.

Auch nach außen müsse mehr geredet werden, nicht zuletzt mit den anderen Verbänden, so Schlesinger. Neben DRV und BTW schließt sie dabei auch den Reisebüroverband VUSR ein, der sich vom ASR abgespalten hatte. Zu deren Vorsitzender Marija Linnhoff sei ihr Verhältnis "in Ordnung", sagt die Reisebüroinhaberin. Jeder müsse mit jedem sprechen können. Das sei wichtig, um bei wichtigen Branchenthemen die Kräfte bündeln zu können.

Christian Schmicke

20. September 2018 – 14:31

Michael Knapp, Direktor des Quellmarktvertriebs von Tui Deutschland, ist künftig auch für die deutschen Franchisebüros des Konzerns verantwortlich. Deren bisheriger Chef, Sibo Kuhlmann, verlässt nach 17 Jahren Ende September das Unternehmen.

Seit 2011 leitet Kuhlmann die Franchiseorganisation der Tui mit über tausend Partnern, zu der unter anderem die Tui Reisecenter gehören. Zuletzt machte Kuhlmann mit der Gründungsinitiative „Tui mein Shop“ von sich reden, mit der Tui Quereinsteiger von der Gründung eines Reisebüros überzeugt will.

Kuhlmann verlässt die Tui aus eigenem Wunsch, heißt es in einer Pressemitteilung. Er wolle sich „neuen beruflichen Herausforderungen stellen“. Seine Position wird nicht wieder besetzt. Tui-Vertriebschef Knapp soll den Job mit übernehmen.

19. September 2018 – 15:31
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So beliebt sie auch sind, Kreuzfahrten haben eine Menge Kritiker und sogar Gegner. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des vom Marktforschungsinstitut Nordlight Research herausgegebenen Trendmonitors Deutschland. Immerhin geben 14 Prozent der befragten Bundesbürger an, Kreuzfahrten zu lieben, und weitere 20 Prozent, aus Neugier künftig einmal eine Kreuzfahrt auszuprobieren sowie zehn Prozent, innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Hochsee-Kreuzfahrt unternehmen zu wollen.

Dem gegenüber kann jeder dritte Deutsche Kreuzfahrten gar nichts abgewinnen und rund 40 Prozent halten sie zudem in stärkerem Maße für umweltschädlich. Doch egal, wie viele Skeptiker es gibt: Beachtliche 71 Prozent der Kreuzfahrer beurteilen ihre Erfahrungen als „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“. „Mäßig zufrieden“ oder gar „enttäuscht“ sind nur neun Prozent. Befragt wurden mehr als 1.000 Personen ab 16 Jahren in Haushalten mit Internetanschluss.

Mittlere Generation hat größtes Interesse

Wer denkt, Kreuzfahrten seien nur etwas für die „ältere“ Generation, liegt falsch. Denn das mit 43 Prozent größte Interesse zeigt die mittlere Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen. Die unter 30-Jährigen interessieren sich nur zu 30 Prozent und die über 50-Jährigen sogar nur zu 28 Prozent für den Urlaub auf See. 

Die beliebtesten Reiseziele liegen laut der im Juli erhobenen Umfrage vor allem in der Karibik und Mittelamerika (42%), gefolgt von Australien und Neuseeland (35%). Dahinter liegen Nordeuropa (31%), der Pazifik (29%) und Nordamerika (28%). Dass das Mittelmeer hier so gut wie keine Rolle spielen soll, erstaunt. Denn schließlich fahren dort die meisten Schiffe mit deutschen Passagieren.

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der potenziellen Kreuzfahrer interessiert sich für Landgänge. Über ein Drittel (38 Prozent) legt Wert auf eine deutschsprachige Reiseleitung an Bord.

Aida und MSC die bekanntesten Marken

Der bekannteste Anbieter von Kreuzfahrten ist Aida Cruises: 82 Prozent der Befragten kennen des deutschen Markführer. Dahinter folgen MSC Cruises (67 Prozent), Tui Cruises (56 Prozent), Costa Cruises (53 Prozent) und Hurtigruten (52 Prozent). In punkto Popularität, gemessen an der generellen „Nutzungsbereitschaft“, führen ebenfalls Aida, MSC, Tui, Hurtigruten und Norwegian Cruise Line. Dahinter folgen: Costa, Royal Caribbean, Color Line, Carnival und Celebrity.

Etwa die Hälfte die Interessenten bucht bei einem auf Kreuzfahrten spezialisierten Reisebüro; 39 Prozent tun das bei einem normalen Reisebüro oder direkt über die Website der Reederei (36%). Jeder Vierte reserviert über die Website eines unabhängigen Anbieters.

Andreas Förster

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