15. Oktober 2018 – 15:57
galapagosistockboydhendrikseklein

Der Regierungsrat der ecuadorianischen Provinz Galapagos verschärft zum 1. November die Einreisevorschriften für Besucher des Naturparadieses im Pazifik. Darauf weist der Veranstalter Galapagos pro hin. Besucher müssen dann bei der Ausreise nach Galapagos an den Flughäfen der Hauptstadt Quito oder der großen Hafenstadt Guayaquil einen Reiseplan vorweisen, der sowohl den Hin- und Rückflug als auch die Hotelunterkünfte in vom Nationalpark zertifizierten Hotels belegt. Besucher, die eine private Unterkunft gebucht haben, müssen ein Einladungsschreiben der Gastgeber vorweisen.

Entgegen vorheriger Ankündigungen müssen Reisende bis auf weiteres keine private Krankenversicherung haben. Diese Vorschrift ist jedoch nur kurzfristig aufgeschoben, bis in Ecuador eine Versicherung benannt wird, die vor Ort gegebenenfalls Versicherungspolicen an Besucher verkauft. Die neuen Reisebestimmungen sind Teil der Umsetzung einer Gesetzgebung aus dem Jahr 2016. Sie sieht vor, dass Besucher einen kompletten Reiseplan vorbuchen müssen, der ihr gesamtes Programm enthält – Hotels, Kreuzfahrten, Transfers und Ausflüge. Die finale Umsetzung des Gesetzes wird bis Mitte 2019 erwartet. Die Vorschrift soll der besseren Planung von Kapazitäten und Routen der lokalen Angebote dienen, die durch den Nationalpark überwacht werden. Die Maßnahmen sollen vor allem den Inselhopping-Tourismus und den nationalen Tourismus besser kontrollieren und organisieren.

 

15. Oktober 2018 – 15:01

Laut einer Studie von Acte Global und American Express Global Business Travel fürchten viele, durch die Umwandlung früherer Produktbestandteile in Zusatzleistungen könnte die Kosten steigen und die notwendige Transparenz verloren gehen. Außerdem sorgen sie sich, dass der Grad, in dem Reiserichtlinien befolgt werden abnimmt. Bei einem Großteil der Travel Manager herrscht zudem Unklarheit, worum es bei dem Programmierschnittstellen-Standard eigentlich geht.

Nicht nur in der Touristik sorgen Themen wie NDC (New Distribution Capability) oder der Trend zu GDS-Gebühren für Furore. Auch auf Geschäftsreisen wirkt sich die Strategie der Airlines, Produkte immer weiter aufzuschnüren und frühere Leistungsbestandteile als Zusatzleistungen zu verkaufen, aus. Das zeigt eine Studie des Geschäftsreiseverbandes Acte Global und des Dienstleisters American Express Global Business Travel.

Eine Kernerkenntnis der Studie, für die insgesamt 218 Travel Manager in Europa, Nahost, Amerika sowie aus dem asiatischen und pazifischen Raum befragt wurden, ist die, dass viele von ihnen nicht genau wissen, worum es geht. Obwohl NDC umfassend diskutiert worden sei, seit der Airlineverband Iata das Konzept vorgestellt hat, bleibe eine starke Ungewissheit darüber, was genau damit gemeint sei, heißt es in der Studie. Fast ein Viertel (23%) der Reisemanager gibt demnach an, sie seien "überhaupt nicht" davon überzeugt, dass sie NDC verstehen und was es für ihre Geschäftsreisen bedeute. Weitere 58 Prozent erklären, sie seien nur "einigermaßen" sicher, NDC zu verstehen. Daher verharrten die meisten in puncto Vertriebssysteme auf dem Status quo. Nur wenige Travel Manager planen demnach, NDC-fähige Tools in ihre Reiseprogramme zu integrieren. 63 Prozent erklären hingegen, sie hätten derzeit kein Interesse an neuen Plattformen jenseits ihrer bestehenden Online-Buchungstools.

Mehr Risiken als Chancen

Hinsichtlich der erwarteten Auswirkungen von NDC sind die Befürchtungen deutlich ausgeprägter als die Hoffnungen. Zwar glauben knapp zwei Drittel der Travel Manager (64%), der Standard könne die Buchungsprozesse verbessern, und 56 Prozent sind der Ansicht, er könne die Vertragsverhandlungen mit Fluggesellschaften unterstützen. Die Mehrheit der Travel Manager befürchtet aber vor allem, dass die durch NDC verursachte Fragmentierung der Produkte die Kostenkontrolle (89%), die Einhaltung der Reiserichtlinien (87%) und die Sorgfaltspflicht (77%) gefährden könnte.

Fast die Hälfte der Travel Manager (49%) gibt an, dass Reisende "gelegentlich" außerhalb der Richtlinien Zusatzleistungen auf Airline-Websites buchten. Viele Travel Manager erwarten, dass sich dieser Trend verstärkt, weil NDC die Einhaltung von Reiserichtlinien weiterhin negativ beeinflussen werde (87%). Die Abwanderung vom Online-Buchungstool auf Airline-Websites störe unter anderem die Buchungsprozesse der Reisenden und verhindere, dass Travel Manager volle Transparenz über die Flugausgaben erhielten, folgern die Autoren der Studie. Zu den wichtigsten Bedenken der Geschäftsreiseexperten in den Firmen gegen die Einbindung von NDC-Content in bestehende Reiseprogramme gehört außerdem die Befürchtung, dies könne die Funktionalität des vorhandenen Online-Buchungstools einschränken (90%). Zudem sehen sie die Gefahr, dass durch die Zusatzleistungen höhere Kosten entstehen (89%).

"NDC könnte den Reisenden durch Personalisierung nutzen", resümiert sagt Greeley Koch, Executive Director von Acte Global. Der Standard gehe allerdings zu Lasten der Travel Manager, die nun versuchen müssten, herauszufinden, wie sie die Kontrolle über ihre Geschäftsreisen behalten können, wenn NDC tatsächlich zum Standard werde.

 

15. Oktober 2018 – 12:53
hurtigruten

Die Reederei hat gegenüber ihren Vertriebspartnern angekündigt, die Unterlagen für alle Reisen mit Abreise vom 1. Dezember an ausschließlich per E-Mail zu versenden. Hurtigruten begründet den Schritt damit, dass auf diese Weise "die Nutzung von Kunststoff, der für die Mappen und Kofferanhänger benötigt wird, sowie von Papier deutlich reduziert werde. Man lege "großen Wert auf die Schonung der Umwelt und den sparsamen Umgang mit unseren Ressourcen", heißt es weiter.

Zugleich weist Hurtigruten allerdings darauf hin, dass die Kunden für einige Leistungen weiterhin Dokumente in gedruckter Form benötigten. Das gelte bei Norwegen-Reisen etwa für die Transfers in Bergen, Trondheim, Oslo, Tromsø und Kirkenes. Zudem seien für Ausflüge, die vor oder nach der Seereise stattfinden, ebenso Papierdokumente erforderlich wie für Bahnfahrkarten innerhalb Norwegens, den Reiseablaufplan bei Rail-&-Fly-Bahnfahrkarten sowie Flughafentransfers in Spitzbergen und auf Island. Für Antarktis-Reisen müsse ein medizinisches Formblatt ausgedruckt werden. Das bedeutet: Der Ausdruck der entsprechenden Dokumente bleibt entweder am Reisebüro hängen oder dieses muss seinen Kunden erklären, dass sie selber dafür Sorge zu tragen haben.

Wie nicht anders zu erwarten, stößt das neue Verfahren bei den Reisebüros auf wenig Gegenliebe. In Social-Media-Foren finden sich zahlreiche Kommentare, die die Einstellung des Versandes gedruckter Unterlagen als einen Schritt bezeichnen, der nur dazu diene, selbst Kosten einzusparen und diese sowie die damit zusammenhängende Arbeit auf die Vertriebspartner abzuwälzen. "Wir sollten wirklich endlich anfangen, Kosten für‘s Ausdrucken zu berechnen und Rechnungen an die Veranstalter schreiben“, empfiehlt eine Reisebüroinhaberin. Die Argumentation von Hurtigruten, man wolle mit dem Schritt Ressourcen schonen, bezeichnet sie als "Heuchelei“.

15. Oktober 2018 – 01:02
martinschulz

Auch in der Touristik hat sich die Europäische Union für manchen zum Synonym für ineffiziente Bürokratie entwickelt. Warum es sich dennoch lohnt, am Projekt eines vereinten Europas festzuhalten, verdeutlichte der frühere Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz bei der DRV-Jahrestagung.

Bürokratie, Arbeitshindernis, Gängelung, unsinnige Vorgaben, Mittelverschwendung, Schildbürgerstreiche - viele Menschen verbinden genau das mit Europa. Auch in der Tourismusbranche wird die EU vor allem mit ungeliebten juristischen Vorgaben wie der Pauschalreiserichtlinie oder der geplanten Erleichterung von Sammelklagen assoziiert. Das größte politische Projekt der westlichen Hemisphäre in der Nachkriegszeit hat, so scheint es, bei vielen seinen Kredit verspielt. Nationalistische, auf Populismus basierende Politikentwürfe sind weltweit auf dem Vormarsch. Von Großbritannien über die Niederlande, Polen, Ungarn bis nach Österreich und Italien schwappt eine Welle der Abkehr vom europäischen Modell.

Touristik muss Europa unterstützen

Als Branche, für die Weltoffenheit und grenzüberschreitende Kooperation eine Grundlage bildet, kann der Touristik die staatenübergreifende Tendenz nationalistischen Mustern nicht gleichgültig sein. In diesem Sinne wollte auch der DRV bei seiner Jahrestagung im italienischen Reggio di Calabria ein Zeichen setzen. Neben Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, der bei der Touristik engagiert für mehr Zusammenarbeit mit Afrika warb, zählte der Auftritt von Martin Schulz zu den thematischen Schwerpunkten der Tagung.

Der SPD-Politiker zeigte bei seinem von starkem Applaus begleiteten Auftritt das, was ihm im Zuge seiner Kanzlerkandidatur bisweilen verloren gegangen zu sein schien: Klarheit und Glaubwürdigkeit in einer Angelegenheit, die ihm erkennbar am Herzen liegt. Europa stehe für ein Modell, in dem Staaten und Völker sprachliche, kulturelle, ökonomische und geographische Grenzen überwinden; in dem sie ihre Wirtschaft und ihre Politik so vereinen, dass sie sich gegenseitig stärken und die Kraft, die sie dadurch erwerben, nutzen, um dem einzelnen Menschen seine unveräußerlichen Grundrechte zu garantieren, so Schulz. Dieses Modell verhindere seit Jahrzehnten erfolgreich, dass dieser Kontinent nochmals in den Abgrund gehe, in den er im 20. Jahrhundert zweimal stürzte. Auch damals sei propagiert worden: "Mein Land zuerst!"

Starker Verbesserungsbedarf

Dabei unterschlug der Parlamentarier Schwächen und Versagen der aktuellen EU-Politik nicht. Zu denen gehöre das Scheitern einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik ebenso wie sinnlose Vorschriften – etwa das Verbot von Olivenölkännchen in Restaurants. Aber auch die Geschichte der Pauschalreiserichtlinie, einst angedacht, um den Online-Vertrieb in eine einheitliche Rechtsprechung einzubeziehen, sei eine des Scheiterns.

Gleichwohl, so der SPD-Politiker, müssten starke europäische Initiativen her, um soziale Schieflagen, verus Ungerechtigkeit bei der Besteuerung, wirtschaftliche Krisen und Massenarbeitslosigkeit, vor allem unter jungen Menschen im Süden Europas, zu beseitigen. Diese Probleme seien der Nährboden für die Erstarkung der Populisten. Nur entschlossen und geschlossen könne Europa sein Gesellschaftsmodell gegen Angriffe verteidigen.

Der Sichtweise, die Schulz propagierte, schloss sich DRV-Präsident Norbert Fiebig in seiner Grundsatzrede an. Fiebig erklärte, es sei im eigenen Interesse der Branche notwendig, sich gegen populistisch-nationalistische Tendenzen zur Wehr zu setzen. In diesem Punkt könnte eine klare Strategie der Touristik, sich trotz aller Ärgernisse vehement für den Zusammenhalt innerhalb der EU und engere Bindungen an Staaten, die demokratische Entwicklungen vorantrieben, einzusetzen, ein wichtiger Impuls sein.–

Christian Schmicke

 

13. Oktober 2018 – 10:26
fiebignorbert

"Die Preisteile werden durch die Gegend gefahren, um sie dann über den Umweg via Reisebüro und Couchtisch des Kunden ungenutzt in den Altpapier-Containern zu entsorgen", fasst Norbert Fiebig seine Sicht der Dinge zusammen. Deshalb sei es höchste Zeit, die Verpflichtung zum Druck komplexer Preisangaben abzuschaffen. Das sei auch aus ökologischen Gründen sinnvoll, denn jährlich könnte die Branche so 3.000 Tonnen Papier einsparen.

Grundsätzlich sind diese Bestrebungen alles andere als neu. Doch Veranstalter wie Tui, die in der Vergangenheit den Versuch machten, in ihren Katalogen nur noch Eck- oder Beispielpreise anzugeben, scheiterten dabei regelmäßig an rechtlichen Hürden und wurden zurückgepfiffen. Denn gleich drei deutsche respektive europäische Gesetze schreiben die Verpflichtung derzeit noch fest und Verbraucherschützer halten diese im Sinne der Kunden immer noch für notwendig.

"In Zeiten der Digitalisierung verändert sich alles – die Prozesse, die Geschäftsmodelle, die Kommunikation – aber der gedruckte Preisteil soll bleiben?" hält Fiebig dem entgegen und führt anstelle der sonst üblichen Kostenargumente ökologische Aspekte für die Abschaffung der Preisteile in den Katalogen auf. Rund 3.000 Tonnen Papier müssten dafür jedes Jahr bedruckt werden, argumentiert er. Würde man die Blätter der Preisteile nebeneinanderlegen, ergäbe dies eine Fläche von 3.500 Fußballfeldern.

In der Tat ist der Grad, in dem die Preisteile zumindest bei klassischen Bade-Pauschalreisen tatsächlich genutzt werden, seit langem verschwindend gering. Das liegt zum einen an der Komplexität und Unübersichtlichkeit der Druckwerke mit ihren Saisonzeiten, Flughafenzuschlägen, Frübuchertarifen, Kinderpreisen und zahlreichen weiteren Elementen. Zu anderen führt die dynamische Produktion während der Saison ohnehin zu sich ständig verändernden Preisbildern, so dass die gedruckten Katalogpreise zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oft schon Makulatur sind.

Ihm sei bewusst, dass für einen Wegfall der Vorschrift Gesetzesänderungen erforderlich seien, sagt Fiebig, aber: "Dann muss es eben passieren."

 

12. Oktober 2018 – 18:34

Bei der Flutkatastrophe auf Mallorca seien sowohl die Unwetterwarnungen als auch der Katastrophenalarm zu spät gekommen. Das hätten die Behörden inzwischen eingeräumt, berichtet das "Mallorca Magazin".

Demnach hatte der staatliche Wetterdienst Aemet zunächst nur die niedrigste Warnstufe Gelb ausgegeben. Um 18.53 Uhr sei diese dann auf Orange erhöht worden. Die Prognosen seien zu diesem Zeitpunkt von 40 Litern Regen pro Quadratmeter ausgegangen. Tatsächlich fielen jedoch mehr als 200 Liter. Die Warnstufe Rot sei erst viel später, nämlich um 22.01 Uhr, kurz vor dem Ende der heftigen Niederschläge ausgerufen worden.

"Wir können nicht behaupten, dass alles gut gelaufen ist. Die Gesellschaft verlangt, dass die Vorhersagen stimmen", zitiert das "Mallorca Magazin" die regionale Aemet-Chefin María José Guerrero ein. Dennoch habe das Team funktioniert und alle Änderungen der Warnstufe seien sofort per Telefon an den Zivilschutz weitergegeben worden, statt wie sonst üblich nur per E-Mail. Die Aemet haBehörde habe nun die Überprüfung ihrer Zahlenmodelle zugesagt, um in Zukunft genauere Prognosen liefern zu können.

Keine Einschränkungen in touristischen Zentren

In einer offizielle Bilanz erklärt Jaume Alzamora, Direktor der Agentur für touristische Strategie der Balearen, das betroffene Gebiet im Nordosten der Insel sei klein. Der Rest von Mallorca sei nicht von Regen oder Überschwemmungen heimgesucht worden. In den wichtigsten touristischen Gebieten herrsche "absolute Normalität". Hotels seien geöffnet, Infrastrukturen funktionierten – dies sei auch während der Starkregen auf die Insel der Fall gewesen. Es gebe „somit keinen Grund zur Beunruhigung“ – jeder könne "unbesorgt seinen geplanten Urlaub auf unserer schönen Insel fortsetzen und bedenkenlos antreten". Urlauber bat Alzamora um Solidarität mit der Urlaubsinsel: "Haben Sie keine Bedenken weiterhin nach Mallorca zu kommen, bereits getätigte Reservierungen können bedenkenlos wahrgenommen werden. Wir sind mehr als bereit, Sie herzlich willkommen zu heißen", so der Tourismuswerber.

 

12. Oktober 2018 – 17:58
lufthansa

Die Praxis, bestimmte Tarife nicht mehr via GDS, sondern nur noch über Direktschnittstellen anzubieten, sei gegenüber langjährigen Vertriebspartnern "inakzeptabel", so Norbert Fiebig bei der DV-Jahrestagung in Reggio di Calabria. Das habe er Lufthansa-Chef Carsten Spohr "unmissverständlich dargelegt".

Am Eröffnungsabend der Jahrestagung kredenzte Lufthansa den versammelten Teilnehmern noch die Cocktails. Verbandspräsident Norbert Fiebig begrüßte Jürgen Siebenrock, den Vertriebschef für den heimischen Markt und Key Accounts, und erklärte, es sei ein gutes Zeichen, dass der Airline-Konzern auf der Tagung Flagge zeige und sich der Diskussion stelle. Siebenrock bezog sich in einer kurzen Ansprache auf die Frage, was er denn mitgebracht habe, wohlweislich auf die Getränke.

In seiner Grundsatzrede am Freitag erneuerte der DRV-Chef seine Kritik daran, dass Lufthansa bestimmte Tarife, wie den sogenannten Light-Tarif und diverse Aktionspreise, nicht mehr über GDS anbietet. Das sei "inakzeptabel", erklärte Fiebig, so könne man nicht mit langjährigen Vertriebspartnern umgehen. Der Marktführer nutze seine Marktmacht aus und entziehe sich dem Wettbewerb, wenn Tarife für Reisebüros nur noch verfügbar seien, wenn diese über direkte Schnittstellen an das Lufthansa-System angebunden seien. Auf diese Weise werde die Markttransparenz behindert und der Wettbewerb verzerrt. Das habe er Lufthansa-Chef in einem Brief "unmissverständlich dargelegt". Lufthansa solle zu einem "partnerschaftlichen und fairen Umgang mit dem Fremdvertrieb und den Business-Travel-Agenturen zurückkehren"

Fiebig war in seiner Rede zuvor auf die Verspätungen und flugausfälle der vergangenen Monate eingegangen, die die Kunden nervten und bei Veranstaltern und Vertrieb für "enorme Mehrarbeit und finanzielle Belastungen" gesorgt hätten. Das müsse ein Ende haben, erklärte er mit Blick auf die Lufthansa-Tochter Eurowings. Eurowings müsse "endlich wiedeer den früher gewohnt verlässlichen Service liefern".

12. Oktober 2018 – 13:47

Die Erklärung des Ryanair-Managements, man werde an Standorten, die von den jüngsten Streiks betroffen waren, Stationen schließen und Flotten verkleinern, würden von Piloten und Kabinenpersonal "als Strafe für gesetzesgemäße Streiks wahrgenommen", heißt es in einer Erklärung der Pilotengewerkschaft Cockpit. Gerade in diesen Ländern könnten die Arbeitskämpfe weitergehen.

"Die Ankündigung der Stationsschließungen und Streckenkürzungen, die Ryanair-Chef Michael O’Leary nach den jüngsten Streiks des Kabinen- und Cockpitpersonals vom Stapel gelassen hatte seien eine "Kriegserlärung“ so die Vereinigung Cockpit wörtlich. Es "sollte nicht überraschen, wenn die Ryanair Piloten darauf bestehen, dass die Arbeitskampfmaßnahmen, inklusive Streiks, in diesen Ländern weitergehen", drohen die Arbeitnehmervertreter. Die Ryanair-Führung hatte sich vergangene Woche optimistisch gezeigt, dass weitere Streiks für den Rest dieses Jahres vom Tisch seien.

Die Präsidenten europäischer Pilotenverbände- und gewerkschaften, die sich letzte Woche in Wien trafen, hätten ihre Kampfbereitschaft unterstrichen, teilt Cockpit mit. "Dieser aggressive Schachzug des Ryanair Managements kommt zu der sowieso schon angespannten Beziehung mit den Arbeitnehmern und stagnierenden Verhandlungen in einigen Ländern dazu."

"Konfrontationskurs aufgeben"

"Solche Feindseligkeiten seitens des Managements werden von den Piloten und dem Kabinenpersonal nicht toleriert", sagt der Präsident der European Cockpit Association, Dirk Polloczek. Die Pilotengewerkschaften verlangen die sofortige Rücknahme der Stationsschließungen in Eindhoven und Bremen sowie der Verkleinerung der Station am Niederrhein. "Wir rufen das Ryanair Management dazu auf, ihren Konfrontationskurs und ihr konterproduktives Vorgehen aufzugeben. Es ist schwer vorstellbar, wie Ryanair ernsthaft erwarten kann, zu einer Einigung mit den Gewerkschaften zu kommen, wenn solche Drohungen in der Luft hängen."

"Falls Ryanair es ernst meint damit, bis Weihnachten Abkommen zu treffen, dann ist so ein Verhalten überhaupt nicht hilfreich“, so Martin Locher, Präsident der Vereinigung Cockpit. Die angekündigte Stationsschließung am 5. November werde "die Feuerprobe, um die wahren Absichten und den ehrlichen Willen etwas für ihre Angestellten zu tun, zu testen. Sei es in Deutschland, oder woanders".

12. Oktober 2018 – 13:22
fiebigdrv18

Bei seiner Jahrestagung im italienischen Reggio di Calabria blickt der Verband auf ein touristisches Erfolgsjahr zurück, in dem die Branche gleichwohl von hausgemachten, aber auch von bürokratischen, juristischen und steuerlichen Problemen eingeholt wurde. Das Motto "Think Global" setzt auf Aufbruchstimmung und propagiert angesichts nationalistischer Herausforderungen den Blick über den Tellerrand. Beim Thema "Overtourism" fällt man allerdings in alte Denkmuster zurück.

Eigentlich hätte der Deutsche Reiseverband (DRV), allen Grund, die Branche und damit auch sich selbst bei der Jahrestagung im italienischen Reggio di Calabria kräftig zu feiern. Schließlich bescheinigt der Verband dem organisierten Reisemarkt kurz vor Saisonende ein Wachstum um fast zwei Milliarden Euro gegenüber dem vorhergehenden Touristikjahr. Auf der Basis von Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK geht DRV-Präsident Norbert Fiebig von einer Steigerung der Buchungsumsätze in den Reisebros um sieben und bei den Online-Portalen im zweistelligen Bereich aus. Auch die Zahl der Reisenden sei gestiegen, und zwar um knapp vier Prozent.

"Boomende Banche, die nicht ausreichend verdient"

Allerdings, so Fiebig, spiegele sich der Nachfrageschub "nicht durchgängig in den Ergebnissen des Vertriebs und der Veranstalter wider". Dazu tragen einerseits hausgemachte Probleme großer Anbieter bei. So hätten auch in diesem Jahr nach Auswertungen des DRV-Ausschusses Marktforschung Spezialveranstalter und Nischenanbieter ein stärkeres prozentuales Wachstum zu verzeichnen als die klassischen Veranstalter. Als Hauptproblem bezeichnet der DRV-Chef jedoch nach wie vor "Belastungen, die der Branche von Politik aus Berlin und Brüssel aufgebürdet" würden und in Gestalt der neuen Pauschalreisegesetzgebung, der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Übernachtungsleistungen oder der Erleichterung von Sammelklagen „die Ertragslage der Unternehmen strapazieren“. "Eine boomende Branche, die nicht ausreichend verdient – das kann nicht sein. Es muss endlich Schluss sein mit zusätzlichen steuerlichen und regulativen Belastungen"schlägt Fiebig Alarm.

"Think Global"

Um nicht zu sehr in den Niederungen bürokratischer oder steuerlicher Hemmnisse zu verharren, hat sich der Verband für seine diesjährige Tagung das Motto „Think Global“ verordnet. Damit soll zugleich Aufbruchsstimmung signalisiert und der Herausforderung wachsender nationalistischer Strömungen innerhalb der EU, im Noch-Mitgliedsland Großbritannien und in den von einer nationalistisch-isolationistisch orientierten Politik des Präsidenten geprägten Vereinigten Staaten begegnet werden. Deshalb engagierte der DRV etwa mit Martin Schulz den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments einen Redner, der engagiert für internationale Kooperation plädierte. Zudem präsentierte der Vaerband mit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller einen weiteren Verfechter intensiver grenzüberschreitender Zusammenarbeit und fairer Wirtschaftsbeziehungen. Und auch Fiebig selbst positionierte sich in dieser Hinsicht deutlich und ermahnte dazu, den "Blick am eigenen Tellerrand enden zu lassen".

Freilich beinhaltet der globale Blickwinkel neben den gerne beschworenen wirtschaftliche Chancen des Tourismus für die bereisten Länder – weltweit zeichnet er nach Berechnungen des World Travel and Tourism Councils für jeden zehnten Arbeitsplatz verantwortlich – auch das Phänomen wachenden Überdrusses an den touristischen Heerscharen. In der "Overtourism"-Debatte allerdings bezog der Verband eher unter Wiederverwertung seiner gewohnten Denkmuster Position.

"Herausforderung unorganisierter Tourismus"

Man nehme das Phänomen ernst, sagte Fiebig, allerdings gehe dieses "überwiegend nicht von der organisierten Reise aus". Vielmehr stelle insbesondere "der unorganisierte Tourismus eine große Herausforderung dar und mit ihm die zunehmende Bedeutung der Sharing Economy, der die Bindung zu den Zielgebieten fehlt", so Fiebig. Über Jahrzehnte war sei Wachstum des Tourismus durch geplante Hotelkapazitäten geprägt und damit gezielt von den Destinationen gesteuert worden. Heute buchten immer mehr Individualtouristen Wohnungen in traditionellen Wohngebieten über entsprechende Plattformen. In der Folge stiegen die Mieten und es setze eine Verdrängung der Wohnbevölkerung insbesondere in Ballungszentren und Metropolen ein. "Hier müssen die jeweiligen Kommunen gegensteuern, sonst geht das Wohlwollen der Bevölkerung gegenüber jedwedem Tourismus verloren", fordert der DRV-Präsident frei nach dem Motto: Fangt erstmal woanders an.

Immerhin – auch die eigene Branche soll zur Lösung von Problemen beitragen. Das formuliert Fiebig allerdings nicht in Form einer Forderung, sondern als vollendete Tatsache. "Als langfristiger Partner der Zielgebiete ist die Reisewirtschaft Teil der Lösung und sorgt gemeinsam mit den Zielgebieten für Entzerrung: durch kluge Steuerung der Tourismusströme, Ausweitung von Saisonzeiten, Verlagerung von Kreuzfahrtrouten, die Schaffung neuer, nachhaltiger Reiseangebote und -formen sowie intelligente Marketingkonzepte" erklärte er. Dass in dieser Hinsicht nicht nur im Kreuzfahrtsektor noch einiges im Argen liegt, blieb dabei unerwähnt.

Christian Schmicke

 

12. Oktober 2018 – 00:32

Alle Fahrkartenverkäufer, zu denen auch Reisebüros und Touristinformationen zählen, sollen Bahnreisenden künftig bei größeren Verspätungen Mahlzeiten anbieten und für Hotelunterbringung sorgen. Alles bisher Aufgaben der Bahn. Dazu strebt die EU eine Neufassung der Fahrgastrechtverordnung an.  

Die Initiative dazu geht vom Verkehrs- und Tourismusausschuss des Europäischen Parlaments aus, der dies am 9. Oktober beschlossen hat. Demnach sollen Reisende mehr Informationen und Hilfe bei Verspätungen und Zugausfällen bekommen. Das begrüßen der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Deutsche Tourismusverband (DTV), soweit es Bahnbetreiber betrifft. Fatal sei allerdings, dass auch Fahrkartenverkäufer, die nur eine Vermittlerfunktion haben, stärker in die Pflicht genommen werden sollen, erklären sie. Betroffen wären zurzeit rund 2.100 Reisebüros mit DB-Lizenz und darüber hinaus Touristinformationen.

"Es ist lebensfremd, Reisebüros in Mithaftung zu nehmen, obwohl sie mit Verspätungen oder dem Zugausfällen nichts zu tun haben", protestiert DRV-Präsident Norbert Fiebig. Schließlich bestehe die Vertragsbeziehung zwischen Reisenden und Bahnunternehmen. Der Fahrkartenverkauf sei zudem für Reisebüros schon jetzt wenig rentabel. "Wenn die typischerweise kleinen und mittelständischen Betriebe diese neuen Verpflichtungen übernehmen müssten, wäre dies das Aus für den Fahrkartenverkauf im Reisebüro", so Fiebig weiter, der darauf setzt, dass im EU-Ministerrat eine vernünftige Lösung gefunden wird.

DTV-Präsident Reinhard Meyer sieht durch die Fahrgastrechtpläne den Fahrkartenverkauf im ländlichen Raum bedroht. "Gerade im ländlichen Raum schließen Touristinformationen eine Angebotslücke, weil an immer mehr Bahnstationen keine Fahrkarten mehr am Schalter verkauft werden", sagt er. Das betreffe Urlauber und Einwohner gleichermaßen und sei nicht im Sinne des Verbraucherschutzes. "Hier werden schlicht die Falschen zur Verantwortung gezogen", so Meyer.

Thomas Horsmann

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Zu den Datenschutzbestimmungen ... Zustimmen