Der neue Reise vor 9 Magazin ist da!

23. Mai 2018 – 14:04

Der Verband der Selbständigen Reiseberater Deutschlands (VSRD) hat eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt, an der 85 Reiseverkäufer teilnahmen. Mit dem Ergebnis rührt die Lobbyorganisation nun kräftig die Werbetrommel. Denn auf die Frage, ob sie jemals wieder ein Ladenlokal mit festen Öffnungszeiten betreiben oder als Angestellter dort arbeiten würden, hätten 85 Prozent der mobilen Berater mit "Nein" geantwortet, teilt der Verband mit.

Home-Office. Neben der offenbar großen Zufriedenheit mit ihrem aktuellen Status gibt die Umfrage auch Aufschluss über die Arbeitsweise der "Mobilen". Home-Office liegt voll im Trend. 88 Prozent der Verkäufer arbeitetn von zu Hause aus. Nur zwölf Prozent der Befragten leisten sich ein externes Büro. Mehr als 70 Prozent der mobilen Reiseberater ohne Ladenlokal sind laut VSRD gemessen an ihren geringen Fixkosten zufrieden mit der Höhe ihrer Provisionen. Knapp 30 Prozent geben durchschnittliche Arbeitszeiten von  20 bis 40 Stunden pro Woche an. Etwas mehr als 20 Prozent investieren durchschnittlich mehr als 40 Stunden pro Woche für die Reiseberatung. 63 Prozent betreiben den mobilen Reiseverkauf hauptberuflich und 37 Prozent nebenberuflich. Neben der Beratung per Telefon und E-Mail erfolgt bei immerhin 78 Prozent der Teilnehmer die Reiseberatung ihrer Kunden auch in deren Zuhause. Allerdings ist der Anteil dieser Art der persönlichen Beratung sehr gering, denn jedem 20. der befragten Teilnehmer macht dieser etwa die Hälfte aus, alle anderen gaben einen Anteil zwischen zehn und 15 Prozent an. 

Akzeptable Provision. Bei 63 Prozent aller Befragten ist der prozentuale Umsatzanteil aus eigenen Agenturverträgen geringer als zehn Prozent. Der deutlich größere Anteil wird also über die mobilen Reisesysteme generiert, denen sich die verkäufer angeschlossen haben. Rund 40 Prozent der Reiseprofis generieren zwischen 300.000 Euro und 500.000 Euro Umsatz pro Jahr oder mehr. Dabei erhält eine Mehrheit von 60 Prozent mindestens acht Prozent Provision aus vermittelten Reisen. Nur ein geringer Teil der selbständigen Reiseberater verdient sein Geld auch mit Eigenveranstaltungen.

Direkter Draht. Der persönliche Kontakt spielt bei der Gewinnung neuer Kunden eine entscheidende Rolle. So gewinnen fast alle Befragten Neukunden durch Weiterempfehlungen von Bestandskunden. Jeweils 39 Prozent akquirieren neue Kunden über aktive Vereinsarbeit in der Region oder den Online-Auftritt. 35 Prozent gewinnen neue Kunden über Werbemittel wie Anzeigen oder Flyer und etwas mehr als ein Viertel durch die Teilnahme an Messen und öffentlichen Veranstaltungen. Lediglich 16 Prozent der mobilen Verkäufer haben eine eigene Webseite. Drei Viertel der Befragten  nutzen die Website-Angebote der Kooperationen, neun Prozent kommen ganz ohne Website aus. 

Spezialisierung. 60 Prozent mobilen Verkäufer präsentieren sich als Spezialisten für bestimmte Reisethemen oder eine bestimmte Destination. Dazu gehören die Bereiche Kreuzfahrten (78 Prozent), exklusive und  individuelle Reisen (je 44 Prozent), Abenteuer- und Erlebnisreisen (37 Prozent), Familienurlaub (37 Prozent), Ferienhaus-Urlaub sowie Wellness- und Gesundheitsreisen (je 22 Prozent), Kultur- und Bildungsreisen sowie Sportreisen (je 19 Prozent), Urlaub für Alleinreisende (11 Prozent) und Winterurlaub (7 Prozent). Weiterbildung steht bei den selbständigen Reiseberatern dementsprechend hoch im Kurs: 87 Prozent nutzen Online-Angebote wie Webinare, 84 Prozent lesen die touristischen Fachzeitschriften (85 Prozent Print, 58 Prozent Online), 80 Prozent nehmen an den Jahrestagungen der Vertriebsorganisation teil, 64 Prozent informieren sich auf Roadshows oder bei Stammtischen über Wissenswertes und neue Trends, und 60 Prozent vertiefen ihr touristisches Know-how und ihre Destinationskenntnisse auf Inforeisen.

Zum VSRD: Im Verband der Selbständigen Reiseberater Deutschlands, den es seit 2006 gibt, sind  Berater aus verschiedenen Zusammenschlüssen organisiert – von veranstalternahen Kooperationen wie TUI Take Off bis zu unabhängigen wie Amondo, Protours, Reisemarkt Freising, Schmetterling, Solamento und anderen.

22. Mai 2018 – 16:23

Das behauptet zumindest das Fluggastentschädigungsportal Airhelp. Nach der Analyse von 28.000 Schadenersatzforderungen gegen den Billigflieger kommen die Betreiber des Portals zu dem Schluss: "Ohne juristische Hilfe zahlte Easyjet nur in weniger als zwei Prozent der Fälle eine rechtmäßige Entschädigung an betroffene Passagiere aus." Die Aussicht auf eine finanzielle Entschädigung mit Hilfe eines Anwalts sei achtmal erfolgreicher als ohne. Die Kritik an Easyjet geht sogar noch weiter: Mit juristischem Beistand sinke die Antwortzeit der Airline nach dem Erstkontakt von 80 Tagen auf knapp über 40 Tage. Diese Hinhalte-Taktik ist laut Airhelp bei vielen Airlines gängige Praxis und führt dazu, dass viele Fluggäste, die einen rechtmäßigen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung von bis zu 600 Euro haben, ihre Ansprüche nicht weiterverfolgen. "Die Fluggesellschaften sind sich bewusst", so AirHelp, "dass ein Normalverbraucher zweimal darüber nachdenkt, einen Anwalt einzuschalten oder vor Gericht gegen ein großes Unternehmen zu ziehen." AirHelp hat ausgerechnet, dass den Passagieren von Easyjet nach der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 allein aus dem Jahr 2017 Entschädigungszahlungen in Höhe von mehr als 120 Millionen Euro aufgrund verspäteter und ausgefallener Flüge zustehen.

Easyjet weist die Ergebnisse dieser Analyse zurück. Die Airline nehme ihre Verantwortung sehr ernst und zahle stets eine Entschädigung, wenn sie fällig ist, heißt es auf Anfrage von Reise vor9. "Wir bieten einfache Webformulare an, die auf unserer Website leicht zu finden sind, und bearbeiten gültige Ansprüche in weniger als 21 Tagen. Wir planen, diese Bearbeitungszeit im Laufe des Jahres noch zu verbessern“, so ein Sprecher des Unternehmens. Die Airline wolle es ihren Passagieren so einfach wie möglich machen, direkt bei ihr zu reklamieren. Sonst gehe den Passagieren ein wesentlicher Teil ihrer Entschädigung unnötig an andere Organisationen wie Airhelp verloren. Zudem sei Easyjet auch der deutschen Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) beigetreten, die Schlichtungsverfahren als Alternative zu einem Gerichtsverfahren anbietet.

THo

22. Mai 2018 – 15:12
handgepaeckcompartmentsairbus

Zum Sommer führt die Lufthansa Group für Flüge mit Lufthansa, Swiss, Brussels Airlines und Austrian Airlines über den Atlantik den sogenannten Economy-Light-Tarif ein. Er umfasst ausschließlich Handgepäck und bietet keine Umbuchungsmöglichkeiten. Ein eingechecktes Gepäckstück oder ein bestimmter Sitz können dazugebucht werden. Mahlzeiten und Getränke an Bord bleiben kostenlos. Wann genau der Tarif eingeführt wird, teilt Lufthansa nicht mit.

Lufthansa testet den Light-Tarif bereits seit Oktober 2017 auf einigen Strecken zwischen Schweden, Dänemark, Norwegen und Nordamerika. Auf Europastrecken gibt es den Billigtarif schon seit 2015. Standardmäßig beinhaltet er ein Handgepäcksstück bis zu acht Kilo, einen Snack und Getränke an Bord, eine feste Sitzplatzvergabe beim Check-in sowie Prämien- und Statusmeilen.

 

22. Mai 2018 – 13:00
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Die toxischen Dämpfe entstehen, wenn glühende Lava auf Wasser trifft. Ein Lavastrom des Vulkans Kilauea hatte am Wochenende das Meer erreicht und für große Dampf- und Gaswolken gesorgt, die auch Salzsäure enthalten. Die Bevölkerung wurde von den Behörden des amerikanischen Bundesstaats aufgefordert, sich von diesen giftigen Wolken fernzuhalten. Zudem sollten die Menschen autretende Lavaströme meiden und bei Ascheregen im Haus bleiben.

Gewarnt wird vor erhöhter Konzentration von Schwefeldioxid auf Big Island und angrenzenden Inseln. Besonders der Ort Pahoa ist von dem Ausbruch des Kilauea betroffen. Dort war bereits am Samstag ein Mann von einem herabstürzenden Lavabrocken schwer verletzt worden. Am Montagnachmittag Ortszeit registrierten die US-Behörden eine weitere heftige Eruption, die Asche und Lava in die Luft schleuderte. Hinweise auf eine Beruhigung des seit Woche aktiven Vulkans gibt es nicht. Bislang wurden Dutzende Häuser zerstört, etwa 2.000 Menschen mussten die Gefahrenregion verlassen. 

Derzeit sind die Flughäfen auf Hawaii nicht bedroht, sie sind weiter geöffnet. Alle Flüge findren nach Auskunft der Hawaii Tourism Authority planmäßig statt. Zudem versichern die Tourismuswerber, in weiten Teilen der Inselgruppe sei die Luftqualität nicht beeinträchtigt.

THo

 

 

21. Mai 2018 – 10:21

Übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie "Werbeblockierer". Viele Internet-User sind genervt von zu viel Werbung auf Webseiten, von aufpoppenden Fenstern, die erst weggeklickt werden müssen, bevor man den Inhalt sieht, oder von automatisch abspielenden Clips mit aufdringlichem Sound. Das hat Unternehmen und Programmierer animiert, Software zu entwickeln, die verhindert, dass Reklame auf Webseiten angezeigt wird. Das bekannteste Programm ist Adblock Plus des Anbieters Eyeo. Es wird unter anderem für Firefox, Google Chrome und Intenet Explorer angeboten und kann als so genanntes Add-on installiert werden. Den Seitenbetreibern und der Werbeindustrie sind die Adblocker ein Dorn im Auge, denn sie stören deren wichtigste Einnahmequelle im Internet. Einige Adblocker lassen dennoch Werbung zu, allerdings müssen die Werbenden dafür an sie zahlen. Das ganze Thema hat zu heftigem Streit und Klagen vor Gericht geführt. Kürzlich hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass der Einsatz der Programme zulässig ist und auch die Geschäftspraxis von Eyeo nicht moniert. Die Klägerin, das Medienunternehmen Axel Springer, will das nicht akzeptieren und hat Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Am Ende stehen beim Thema Adblocker die Geschäftsmodelle zahlreicher Webstes zur Disposition. Schließlich finanziert sich ein Großteil der Internetinhalte heute über Werbung. Wird zu viel geblockt, müssen die User daher über kurz oder lang auf andere Art dafür bezahlen.

FW

21. Mai 2018 – 09:45
flycana

Drei Investoren wollen in der Dominikanischen Republik eine neue Low-Cost-Airline gründen. Flycana soll nach Informationen auf der eigenen Website mit der Fluglizenz der Charterfluggesellschaft Dominican Wings operieren und will im letzten Quartal des laufenden Jahres den Betrieb aufnehmen. Da die Dominikansche Republik als neuntgrößte Ökonomie Lateinamerikas noch keine eigene Low-Cost-Airline habe, sei hier eine Marktlücke, heißt es in der Selbstdarstellung.

Hinter dem geplanten neuen Carrier stecken laut dominikanischen Medien der Gründer von Dominican Wings, Miguel Pacheco, der Gründer und Ex-CEO der Billigairlines Viva Columbia und Viva Air Peru, William Shaw und der frühere Chef von Wizz Air, Mike Powell. Powell arbeitet derzeit als Chef der argentinischen Low-Cost-Airline Flybondi. Flüge mit Flycana sollen ab 49 Dollar angeboten werden. Geplante Ziele sind zunächst Städte in den USA, Kanada und lateinamerikanischen Staaten. Ob die Basis der neuen Fluggesellschaft in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo oder im Touristenzentrum Punta Cana geplant ist, ist noch unklar.

18. Mai 2018 – 15:56

Mit der neuen Pauschalreisegesetzgebung müssen sich Veranstalter auch auf neue Regelungen bei Reisemängeln einlassen. Darauf machte Michael Althoff, DRV-Projektleiter für die technische Umsetzung der neuen Gesetzgebung, beim Reisebürotag am vergangenen Donnerstag in Essen aufmerksam. Paragraph 651k, Absatz 2 sehe nämlich vor, dass künftig der Kunde bestimme, was eine angemessene Frist für die Beseitigung festgestellter Mängel ist. Wörtlich heißt es: „Leistet der Reiseveranstalter vorbehaltlich der Ausnahmen des Absatzes 1 Satz 2 nicht innerhalb einer vom Reisenden bestimmten angemessenen Frist Abhilfe, kann der Reisende selbst Abhilfe schaffen und Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangen.“

Das zwinge Veranstalter zu schnellem Handeln, betont Althoff und nennt als Beispiel einen Wochenendtrip, bei dem das gebuchte Hotel ausgebucht ist. Wenn der Kunde dann sagt, innerhalb von einer oder zwei Stunden müsse ein angemessener Ersatz her, ist das Recht auf seiner Seite, so der Experte.  Die Anforderungen an die Erreichbarkeit auch außerhalb üblicher Geschäftszeiten steigen damit weiter, ist Althoff überzeugt. Das müssten sich auch Reisebüros klarmachen, die selbst im Bereich der Eigenveranstaltung aktiv seien.

Christian Schmicke

 

18. Mai 2018 – 15:34
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Die familiengeführte Hotelkette werde auch weiterhin ein Modell verfolgen, bei dem sich die meisten Riu Hotels auch im Besitz des Unternehmens befinden, betonte Gesellschafterin Carmen Riu in einem Interview mit der spanischen Fachzeitschrift „Hosteltur“. Auf diese Weise sei man in der Lage, das komplette Produkt vom ersten Entwurf der Immobilie bis hin zum Service vollständig zu kontrollieren, so die Tochter des Firmengründers Don Luis Riu, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder Luis führt. „Unser Modell funktioniert seit 65 Jahren. Wir suchen kein rasches, sondern ein konstantes organisches Wachstum mit fünf bis acht Neu- oder Wiedereröffnungen pro Jahr“, erklärte Riu gegenüber dem Magazin.

Viele große Hotelgesellschaften betreiben ihre Häuser über Franchise- oder Managementverträge, ohne durch die Immobilien selbst ihr Kapital zu binden. Das ermöglicht ihnen eine schnellere Expansion. Natürlich habe man auch über andere Wege als den bisher verfolgten nachgedacht, räumt Riu ein. So betrieb man eine Reihe von Hotels auf Kuba und in der Türkei über Modelle mit Partnern. Von diesen Anlagen hat sich das Unternehmen aber mittlerweile wieder getrennt. Das seien kostbare Erfahrungen gewesen, beteuert Riu aber: „Das Modell direkter und vollständiger Kontrolle über das Produkt schafft die größte  Kundenzufriedenheit und bietet uns die Freiheit, unsere Anlagen so zu bauen und zu betreiben, wie es unser Stil ist.“  

17. Mai 2018 – 17:21
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Das Treffen war mit einiger Spannung erwartet worden. Felix Methmann, Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), stellte sich beim Reisebürotag des DRV in Essen am Donnerstag der Diskussion mit den DRV-Vizepräsidenten und Reisebüroinhabern Ralf Hieke und Oliver Wulf. Methmann hatte in den vergangenen Monaten wiederholt für Aufregung gesorgt. Zunächst hatte er in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erklärt, Verbraucher sollten im Umgang mit Reisebüros nach Inkrafttreten der neuen Pauschalreisegesetzgebung vorsichtig sein. Wenn ein Reisebüro getrennte Rechnungen ausstelle, wolle es sich “aus seinen Pflichten stehlen“. Gemeint war der Verkauf verbundener Reiseleistungen, bei dem Reisebüros nicht in die Veranstalterrolle mit den entsprechenden Pflichten geraten, wenn sie alles richtig machen. Dazu gehört neben dem entsprechenden Formblatt auch die Ausweisung der Beträge der Einzelleistungen auf getrennten Rechnungen.

Später hatte er seine Aussage in Fachkreisen relativiert und erklärt, es sei ihm um die Warnung vor „schwarzen Schafen“ gegangen. Doch da war über die steile These des Verbraucherschützers schon eifrig diskutiert worden.  Auf dem Podium in Essen hielt Methmann grundsätzlich an seiner Aussage fest. Die Regelung, verbundene Reiseleistungen ohne die mit Pauschalreisen verbundene Sicherheit verkaufen zu dürfen, falle aus seiner Sicht hinter das aktuell geltende Recht zurück, erklärte er. Davor habe er warnen wollen.

"Populistische Parolen". Hieke und Wulf, die Methmanns Aussagen zuvor bereits heftig kritisiert hatten, äußerten erneut ihr Unverständnis. Mit solchen Warnungen unterstelle man Reisebros geradezu kriminelle Energie, erklärte Hieke. „Wenn ich als stationäres Reisebüro nicht im Interesse meiner Kunden handele, kann ich nach einer Saison zumachen“, sagte der Ibbenbürener Reisebürochef. Wulf assistierte, Methman habe ohne die erforderliche Sachkenntnis populistische Parolen gestreut. Schließlich lasse die neue Gesetzgebung dem Kunden ja gerade die Wahl, eine Pauschalreise oder mehrere Einzelleistungen zu buchen, und weise ihn über die verpflichtende Ausgabe der Formblätter explizit darauf hin, was er tue.

Welches Recht gilt? Allzu viel fiel dem Verbraucherschützer dazu nicht mehr ein. Er wiederholte lediglich, die Möglichkeit für Reisebüros, sich zu „enthaften“, sei aus Sicht des Verbraucherschutzes nicht akzeptabel.  Dann  wurde es spitzfindig. Denn in einem späteren Interview mit dem Fachblatt „Travel Tribune“ hatte der Rechtsexperte  Reisebüros ausdrücklich davor gewarnt, Rechnungen bei verbundenen Reiseleistungen zwar getrennt auszuweisen, sie aber, wie nach der deutschen Gesetzgebung vorgesehen, in einem Bezahlvorgang zu begleichen. Das entspreche nicht den Vorgaben der EU-Richtlinie, die ausdrücklich getrennte Bezahlvorgänge vorsehe. Wenn der Europäische Gerichtshof die deutsche Regelung für rechtswidrig erkläre, könnten Reisebüros dafür belangt werden, dass sie sich an der rechtswidrigen deutschen Vorgabe orientiert hätten, folgerte er.

Das rief DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger auf den Plan, der eigentlich als Moderator fungieren sollte. Methmanns Darstellung sei falsch, erklärte er. Wenn der Europäische Gerichtshof die deutsche Gesetzgebung irgendwann tatsächlich für rechtswidrig erklären sollte, hafteten dafür nicht die Reisebüros, sondern allenfalls der deutsche Staat, stellte er klar. Nach dem Ende der Diskussion legte Inger im Gespräch nach. „Herr Methmann, dessen Gehalt überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, fordert Reisebüros auf, sich nicht nach deutschem Recht zu verhalten“, so der Verbandsmann. Das sei „unfassbar“.

Der mündige Verbraucher. Methmann konterte die Attacke mit einem skurrilen Argument. Aus Sicht des Verbraucherschutzes sei die physische Trennung der einzelnen Bezahlprozesse, also die Verpflichtung, den Kunden für jede Einzelleistung separat die Geldbörse zücken zu lassen , wichtig, um ihm ausreichend zu verdeutlichen, dass er auf den Schutz der Pauschalreise verzichte. Deshalb gehe er davon aus, dass der EuGH die deutsche Gesetzgebung kippen werde.  „Für wie dumm halten Sie mündige Verbraucher eigentlich?“, fragte Hieke ihn daraufhin. Wenn er seine Kunden für fünf verbundene Leistungen fünfmal bezahlen lasse, würden sich in seinem Büro „Loriot-reife Slapsticks“ abspielen.

Immerhin konnten sich die Kontrahenten am Ende darauf einigen, dass es sinnvoll sei, den Dialog nicht abreißen zu lassen und künftig einen  regelmäßigen Austausch zu pflegen. Schließlich müssten stationärer Vertrieb und Verbraucherschutz kein Gegensatzpaar bilden.

Christian Schmicke

16. Mai 2018 – 18:19
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Bei den meisten Versicherern ist auch der Rücktritt von der Reise wegen seelischer Leiden wie Depressionen oder Burn-out abgedeckt – zumindest in der Theorie. Voraussetzung ist in der Regel, dass es sich um eine "schwere" Erkrankung handelt. Das ist der Fall, wenn sie von einem Psychiater attestiert wird, eine stationäre Behandlung erfolgt oder die Krankenkasse eine ambulante Psychotherapie genehmigt hat.

Zudem muss die Erkrankung bei Vertragsabschluss "unvorhersehbar" gewesen sein, das heißt zum ersten Mal auftreten. Und genau hier liegt das Problem: Denn bei den eingereichten Schadensmeldungen handele es sich oft um Schübe bereits bestehender Erkrankungen, weiß Olaf Nink, Vorstand bei der Allianz Global Assistance (AGA). Daher werde in der Praxis ein Großteil der Anträge abgelehnt, was bei den Kunden meist auf wenig Verständnis stoße, so Nink. Aber anders könne man es nicht regeln. Psychische Erkrankungen ganz aus dem Leistungskatalog auszuklammern, wie es die ERV vor einigen Jahren einmal für kurze Zeit praktiziert hat, will man nicht. Also muss das heikle Thema so behandelt werden, dass sich die Schadensfälle in einem überschaubaren Rahmen halten.

Auch bei der Frage, wann es sich eigentlich eine psychische Erkrankung handelt, ist Vorsicht geboten. So urteilte das Amtsgericht München, eine akute Belastungssituation durch den Tod des Partners sei keine unerwartete schwere Krankheit und begründe keinen Anspruch auf die Erstattung der Stornierungskosten. Das Gericht lehnte den Antrag auf Erstattung aus zwei Gründen ab: Erstens hätte die Klägerin ihre Reise unverzüglich nach dem Tod ihres Mannes stornieren müssen und nicht erst drei Wochen später. Und zweitens sei die nachvollziehbare Belastungsreaktion der Klägerin als normale Folge des Todesfalls und nicht als psychische Störung zu werten.

MN