06. November 2018 – 13:25
Wie ein „No-Deal-Brexit“ Europas Touristenströme beeinflussen würde
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Foto: iStock/robertiez

Bis zu 20 Millionen britische Urlauber könnten sich im nächsten Sommer von Reisezielen innerhalb der EU abwenden, wenn über die Bedingungen des Austritts des Landes aus der Europäischen Union keine Übereinkunft erzielt wird. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der World Travel Market, die weltweit zweitgrößte Reisemesse nach der ITB, durchgeführt hat.

Ein "No-Deal-Brexit"-Szenario würde demnach vor allem die Sonnenziele britischer Urlauber, wie Spanien, Griechenland, Portugal und Italien, treffen. Denn ohne ein Abkommen müssten die Briten 60 Euro für ein Schengen-Visum bezahlen, um in die EU einreisen zu dürfen. 58 Prozent der Befragten erklärten, sie würden unter diesen Umständen ihre Reisepläne überdenken. Selbst wenn sie von der Visumpflicht ausgenommen würden, müssten britische Reisende ab 2020 unter dem neuen Einreisesystem ETIAS eine gebührenpflichtige Einreiseerlaubnis beantragen, deren Kosten sich allerdings nur im einstelligen Euro-Bereich bewegen sollen.

Sorge wegen höherer Kosten und schwacher Währung

Unabhängig davon, ob es zu einem Deal kommt, gehen 40 Prozent der Briten davon aus, dass der Brexit ihr Reiseverhalten beeinflussen wird. Rund ein Drittel fragt sich besorgt, ob man nach dem Brexit in europäischen Destinationen noch erwünscht ist. Nicht ganz unwichtig dürfte für die weitere Entwicklung der Nachfrage auch die Währungsparität sein. Experten gehen für den Fall eines No-Deal-Brexits davon aus, dass sich der Kurs des britischen Pfundes gegenüber dem Euro weiter abschwächt.

Chance für Non-Schengen-Destinationen

Weil Reisen innerhalb Europas immerhin drei Viertel der rund 46,5 Millionen jährlichen Auslandsreisen der Briten ausmachen, hätten größere Verschiebungen für die Reiseländer unmittelbare Auswirkungen. So ist Großbritannien etwa für Spanien noch vor Deutschland bislang der wichtigste Quellmarkt. Für den Quellmarkt Deutschland könnte die Entwicklung durchaus Vorteile bringen. Schließlich würde ein Rückgang des britischen Marktes die in den vergangenen jahren erfolgsverwöhnten spanischen Hoteliers in Sachen Preisbildung zu Zugeständnissen zwingen.

Während die EU-Reiseländer der Entwicklung mit Sorge entgegenblicken, könnten andere davon profitieren. Schließlich würde sich im Hinblick auf Länder wie die Türkei, Ägypten, Tunesien oder Marokko nichts verändern. Aber auch Ziele wie die Vereinigten Arabischen Emirate könnten von den Unsicherheiten im Zuge der Brexit-Verhandlungen profitieren.

Christian Schmicke

 

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