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13. Juni 2018 – 15:30
Wie die Türkei-Krise die Struktur der Reisenden verändert hat
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Kaputas-Strand, Antalya: Die Badeurlauber sind wieder da – Foto: Pixabay/Creative Commons

Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung hat auf Basis der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FuR) ermittelt, dass mit dem 2016 erfolgten signifikanten Rückgang deutscher Urlauberzahlen in der Türkei deutliche Veränderungen der Besucherstruktur einhergingen. Zwar seien nahezu sämtliche relevanten Marktsegmente am Einbruch der Besucherzahl um knapp ein Drittel auf gut zwei Millionen beteiligt gewesen, einige Bevölkerungsgruppen hätten sich aber in besonders starkem Maße von dem Reiseland ferngehalten.

Wiederholer blieben treu, Studienreisende liefen weg. So habe sich ein deutlich überdurchschnittlicher Rückgang bei jenen gezeigt, die zum ersten Mal die Türkei bereisten. Ihre Zahl halbierte sich gegenüber dem Vorjahr fast. Türkei-Wiederholer seien von Terroranschlägen, dem Putschversuch im Juli und den politischen Kapriolen des türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan hingegen deutlich weniger beeindruckt gewesen. Ihre Zahl sank lediglich um 20 Prozent. Türkei-Urlauber, bei denen Kultur- und Bildungsmotive zu den "besonders wichtigen" allgemeinen, destinationsunabhängigen Urlaubsmotiven zählen, wandten sich 2016 besonders häufig von der Türkei ab. So bereisten 53 Prozent weniger von ihnen das Land, was sich mit den Aussagen nahezu aller Studien- und Rundreiseveranstalter während der Krise deckt. Dagegen ließen sich laut Studienkreis bei jenen, denen es generell besonders wichtig ist, sich im Rahmen einer Urlaubsreise unterhalten zu lassen oder Spaß, Freude und Vergnügen zu haben, deutlich geringere Rückgänge von 17 bzw. 24 Prozent ausmachen.

Weniger Frauen, Junge, Alte und Reiche. Auffällig sei zudem, dass die Türkei 2016 von deutlich weniger Frauen (-38%), jungen Leuten bis zu 29 Jahren (-37%), Älteren ab 70 Jahren (-46%) sowie Menschen mit einem Haushaltsnetto-Einkommen von 3.000 Euro und mehr (-45%) bereist worden sei. Extrem starke Rückgänge hätten sich unter anderem bei Leuten mit hoher formaler Bildung (-62%), Urlaubern aus sozial gehobenen Milieus (bis -59%) sowie, wenig überraschend, bei Reisenden, die dem „sozialökologischen“ Milieu angehören, ergeben (-69%). Letzteres setzt sich laut Studienkreis aus Zeitgenossen mit normativen Vorstellungen vom ‚richtigen' Leben und ausgeprägtem ökologischen und sozialen Gewissen zusammen.

2017 setzte sich der drastische Rückgang deutscher Türkei-Urlauber aus dem Vorjahr bekanntermaßen nicht in dem Maße fort. Und in diesem Jahr geht es nach übereinstimmenden Berichten der großen Türkei-Veranstalter zumindest beim zahlenmäßig ohnehin dominierenden Badeurlaub wieder deutlich bergauf, während die Nachfrage nach Rund- und Studienreisen weiterhin schwach bleibt. In welchem Maß sich 2018 eine deutlich positive Wende beim Türkei-Tourismus der Deutschen ergebe, werde vor allem davon abhängen, inwieweit sich die negativen politisch bedingten Rahmenbedingungen verringerten und zu einer "wünschenswerten Wieder-Verbesserung des Türkei-Images im deutschen Quellmarkt" beitragen, resümieren die Autoren des Berichts, Studienkreis-Projektassistentin Susanne Egermeier, Vorstand Dietlind von Laßberg und der Ehrenvorsitzende und langjährige Studienkreis-Geschäftsführer Armin Vielhaber. Das touristische Angebot des Landes sei jedenfalls unverändert attraktiv.

 

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