13. August 2018 – 15:26
Was der Verfall der türkischen Lira für die Touristik bedeutet
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Türkische Lira – Foto. iStock

Endlich hat die türkische Regierung einen Ausweg aus der sich zuspitzenden Währungs-, Finanz- und Wrtschaftskrise gefunden: Kritische Berichterstattung zu Themen wie dem dramatischen Verfall der Landeswährung wird einfach unter Strafe gestellt. Entsprechende rechtliche Maßnahmen gegen negative Kommentare zur Wirtschaft in Nachrichten und sozialen Netzwerken würden eingeleitet, bestätigte das türkische Innenministerium. Das ist leider, ebenso wie die Entwicklung, angesichts derer die tükische Regierung mal  wieder unverhohlen Zensur betreiben will, alles andere als ein Scherz.

Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Krise ist der Wertverfall der türkischen Lira. 46 Prozent ihres Werts hat sie (Stand Montagmittag) binnen eines Jahres gegenüber dem Euro eingebüßt. Knapp 27 Prozent waren es allein im vergangenen Monat und die jüngsten Strafzölle der USA heizen den Verfall weiter an.

Reisen werden billiger

Für die Tourismusbranche ist der Wertverlust einer Währung eigentlich eher eine gute Nachricht. Für Besucher aus anderen Währungsräumen sinken die Preise – am unmittelbarsten bei den Nebenkosten, auf die der Währungsverfall direkt in dem Maße durchschlägt, wie er nicht von der Inflation durch Preiseerhöhungen ausgeglichen wird. In der zweiten Stufe schlägt sich der Kursverlust auch in niedrigeren Preisen für Übernachtungen und Pauschalreisen nieder. Selbst wenn die Verträge in harter Währung ausgehandelt worden sind, sorgt der Wettbewerb spätestens nach dem Ende der Hochsaison dafür.

Die Hoteliers können damit meist recht gut leben, sofern sie nicht in größerem Ausmaß von Importen für Speisen, Getränke und sonstigen Güter abhängig sind. Schließlich werden ihre Angestellten, der größte Kostenblock, in nationaler Währung bezahlt.  Gute Voraussetzungen also, um den Tourismus boomen zu lassen.

Furcht vor Verwerfungen

So ähnlich funktioniert das Spiel in der Regel, wenn man weitere Effekte, wie steigende Zinsen und Risiken für die Rückzahlung von Krediten, außen vor lässt. Doch die Rechnung geht nur auf, so lange sich keine Panik breit macht. Und genau das deutet sich mittlerweile an. Nicht nur bei der türkischen Bevölkerung, die die Inflation von aktuell 15 Prozent hautnah zu spüren bekommt. Auch der Euro ist angesichts der intensiven Handels- und finanzwirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der Türkei und der EU unter Druck geraten.

Aktien von Tui und Thomas Cook verloren am Montag gut drei Prozent. Von Analysten wurde der Kursverlust mit der Lira-Krise in Verbindung gebracht. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Kollaps in der Türkei überwiege die positiven Effekte billiger Türkei-Reisen, heißt es.

Auch für die Reiseaktivitäten selbst birgt die Situation Risikopotenzial. Zwar ist es vielen Badeurlaubern herzlich egal, was Präsident Recep Tayyip Erdoğan innenpolitisch tut, solange er nur seine eigenen Landsleute verhaftet und ohne Rechtsgrundlage festhält. Ängste wie die, aus den Geldautomaten könnte auf einmal kein Geld mehr fließen, zeigt dagegen unmittelbare Wirkung, und seien sie auch noch so diffus. Das zeigten nicht zuletzt die – inhaltlich freilich völlig anders gelagerten – Ereignisse im Zuge der griechischen Finanzkrise 2015, als viele Touristen das Land aus Angst vor den Folgen eines Austritts aus der Eurozone links liegen ließen. Das Beispiel verdeutlicht freilich auch: Sobald das unmittelbare Bedrohungsszenario  vorbei ist, kehren die Besucher in Scharen wieder zurück.

Christian Schmicke

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