20. November 2018 – 17:31
Warum Ameropa die Reisebürokooperationen weglaufen
molinamanuel
TSS-Chef Manuel Molina – Foot. TSS

Zuletzt ging es Schlag auf Schlag: Mit dem Deutschen Reisering, Reisecenter Alltours, Best Reisen und TSS haben mittlerweile vier Organisationen verkündet, dass sie für das neue Geschäftsjahr keine Vereinbarung mit der Bahn-Tochter abgeschlossen haben. Anlass ist der Schritt des Veranstalters, die Provision, die bisher bei zehn Prozent begann, auf sieben Prozent zu senken, wenn sich der Jahresumsatz unterhalb der Marke von 15.000 Euro bewegt.

In den Beweggründen für den vergleichsweise drastischen Schritt stimmen die Kooperationen grundsätzlich überein. "Wir sehen auf Basis des vorgestellten Provisionsmodells und nach durchaus zähem Verhandeln keine andere Chance, als unseren Mitgliedern nahezulegen, den Veranstalter nicht mehr zu verkaufen", sagt etwa TSS-Geschäftsführer Manuel Molina. Er habe dafür von seinen Reisebüros ein "großes Maß an Rückendeckung" erhalten.

"Unzählige Gespräche mit den Kollegen in den Reisebüros haben uns nochmals deutlich gemacht, dass die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und stetig wachsenden Aufgaben der Agenturen zunehmend unvereinbar mit den Provisionsmodellen einzelner Veranstalter sind. Dass dies nun offensichtlich gerade bei einem mittelständisch geprägten Veranstalter wie Ameropa nicht erkannt wird, bedauern wir besonders", führt der TSS-Chef aus. Einstellige Provisionszahlungen von Reiseveranstaltern seien nicht nur wirtschaftlich nicht tragfähig, sondern stellten gleichzeitig auch die Zukunftsfähigkeit des bestehenden Handelsvertretermodells in Frage, heißt es von TSS.

Symbolfunktion

Insgesamt kommt die Welle, die die Ankündigung von Ameropa-Chef Kai de Graaff, die Einstiegsprovision zu kürzen, schlug, überraschend. Schließlich hatte zuvor auch Alltours nach vier Jahren wieder einen Mindestumsatz eingeführt, ohne dass irgendetwas passiert war. Zudem sind die Konditionen, die die Mitglieder von Reisebürokooperationen mit Rahmenverträgen erhalten, andere als die in den Einzelagenturverträgen.

Nicht unwichtig könnte bei der ganzen Angelegenheit die Tatsache sein, dass sich die Stimmung in den Reisebüros nach einer Bemerkung von Tui-Vertriebschef eingetrübt hatte. Dieser hatte gesagt, er bezweifele, dass zehn Prozent Provision ab der ersten Buchung klug seien. Die Reaktionen der Reisebüros darauf waren durchaus empört. Ihre Umsätze bei einem ihrer Leitveranstalter zurückzufahren, kommt für die meisten Reisebüros allerdings nicht in Frage. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass Ameropa, mit einem Umsatz von gut 100 Millionen Euro (2016/17) und hohem Umsatzanteil in DB-eigenen Agenturen eher ein Mittelgewicht, in diesem Zusammenhang zum symbolträchtigen Bauernopfer wird. Denn ob sie erdgebundene Reisen bei der Bahntochter oder anderswo buchen, ist für viele Reisebüros nicht extstenziell, sondern eine Frage der Sympathie.

Christian Schmicke

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