14. Juni 2018 – 14:18
Vom Urlaubsschwarm thüringischer Frauen und anderem Umfrageblödsinn
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Cristiano Ronaldo – Foto: Oleg Dubyna/Creative Commons

Kaum ein Ereignis bringt mit schöner Regelmäßigkeit so viele Umfrageblüten hervor wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Das ist auch diesmal nicht anders, wobei die in der Vergangenheit wichtigste und am häufigsten gestellte Frage dieses Mal offenbar keine Rolle spielt. Bleiben die Menschen im WM-Jahr zuhause oder buchen ihren Urlaub später? Angesichts guter Umsatz- und Buchungszahlen ignoriert die Branche dieses Thema einfach, was insofern bemerkenswert ist, als es in früheren WM-Jahren nur allzu oft für Flauten im Buchungsaufkommen herhalten musste. Doch dafür liefern uns die Umfragen, deren Initiatoren aus der Touristik weder Kosten noch Mühen scheuen, um ihren Markennamen mal wieder in den Medien zu sehen, andere wertvolle Einblicke in das Innenleben unserer Mitbürger, wenn es um die Themen Fußball und Urlaub geht.

WM – aber wo? Noch einigermaßen seriös machte schon zu Beginn des Monats eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Tui die Runde, nach der fast die Hälfte der Befragten auch im Urlaub die WM verfolgen würden. Wenig überraschend erklärte die andere Hälfte, sie würde dies nicht tun. Zudem erfährt die geneigte Leserschaft, dass eine knappe Mehrheit der befragten für Fußballspiele andere Urlaubsaktivitäten sausen lassen würde und dass diese Haltung bei Männern (56%) ausgeprägter ist als bei Frauen (44%).

Urlaub mit Ronaldo. Mit starken Erkenntnissen kommt auch eine Umfrage des Portals weg.de daher. Sie stellt fest, dass 41 Prozent der Deutschen die WM verfolgen wollen – egal, ob sie zuhause oder im Urlaub sind. Besonders viele Fans gebe es im Bundesland Hessen, heißt es weiter. Weitaus bedeutsamer ist allerdings die Erkenntnis, dass überdurchschnittlich viele Frauen aus Thüringen (18%) gerne mit Starkicker Cristiano Ronaldo verreisen würden und dass die Neigung, mit dem Portugiesen zu verreisen, länderübergreifend bei Frauen ausgeprägter (11%) ist als bei Männern (7%). Beliebtester deutscher Reisebegleiter wäre demnach europaweit Mats Hummels auf Platz fünf. Über die Urlaubsmotive, die dieser Entscheidung zugrunde liegen, verrät uns die Umfrage leider nichts.

Lieber saufen als singen. Ein Likörchen zu viel hatten vermutlich die Experten des Bewertungsportals Holidaycheck bei ihren WM-Vorbereitungen genossen, als sie ihre Umfrage entwickelten. Sie ermittelten, was unsere Mitbürger zu tun bereit wären, um ein Ticket für ein WM-Spiel unter deutscher Beteiligung zu ergattern. Etwa 60 Prozent der Befragten ließen die Macher der Umfrage abblitzen und lehnten sämtliche Vorschläge ab. Von denen, die sich zu hirnrissigen Aktivitäten hinreißen lassen würden, wählten die meisten (16%) Wodka-Wettsaufen mit einem Russen. Ähnlich viele (15%) würden in der Fußgängerzone „Moskau“ von Dschinghis Khan singen und dabei Balalaika spielen.

Gegenüber solchen tiefenpsychologischen Höhenflügen wirken triviale Fragen wie die nach dem nächsten Weltmeister zwangsläufig ein wenig blass. Wen’s interessiert: Laut einer Ipsos-Umfrage sehen 23 Prozent Deutschland vorn, 21 Prozent Brasilien und elf Prozent Spanien. An England glauben drei und an Russland zwei Prozent.

Christian Schmicke

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