09. September 2018 – 10:40
Unterschiedliche Einschätzungen zur Hygiene in ägyptischem Unglückshotel
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Steigenberger Aqua Magic Hotel – Foto: Steigenberger

"Wütende Mutter aus Birmingham immer noch krank nach Aufenthalt in Thomas-Cook-Hotelhölle". So überschrieb die lokale "Birmingham Mail" am Freitag eine Geschichte, in der eine 44-Jährige Frau über ihren Aufenthalt im Steigenberger Aqua Magic Hotel im ägyptischen Hurghada klagt. Nicht gerade zimperlich gebärdeten sich auch die Kollegen von "Focus Online" bei der Wortwahl in ihrer Headline. "Thomas Cook nimmt Ekel-Hotel aus Programm" heißt es dort.

Die Anlage, die seit dem Tod zweier britischer Urlauber am 21. August für Schlagzeilen sorgt, wurde von Thomas Cook bis Mitte Januar aus dem Programm genommen. Außerdem berichtete der Konzern, unabhängige Untersuchungen in seinem Auftrag hätten eine erhöhte Konzentration von E-Coli-Bakterien und Staphylokokken festgestellt. Die Erreger können zu Durchfallerkrankungen und Darmentzündungen führen. Thomas Cokk kündigte an, künftig Hygieneprüfer in alle Hotels zu entsenden, in denen überdurchschnittlich viele Gäste krank werden.

Widersprüchliche Untersuchungsergebnisse

Dagegen wurden bei einer Untersuchung, die am 3. September im Auftrag von DER Touristik vorgenommen worden war, nach Auskunft des Unternehmens keine krankheitserregenden Keime nachgewiesen. Auch lägen bei den Gästen der DER Touristik „vor Ort aktuell keine signifikanten Zahlen von Krankheitsfällen vor“. Ähnliche Aussagen gibt es von Tui und FTI.

Unter den Reisebüros, von denen einige Kunden bei der im Franchise betriebenen Steigenberger-Anlage eingebucht haben, sorgen die unterschiedlichen Einschätzungen der Veranstalter nachvollziehbarerweise für Verunsicherung, zumal ein Ergebnis der Untersuchungen über die Todesursache der beiden Briten nach wie vor fehlt. Ursprünglich hatten die ägyptischen Behörden für die vergangene Woche ein Obduktionsergebnis angekündigt, doch bis zum Sonntag war von ihrer Seite kein Statement dazu erfolgt.

Augenzeugin gibt Entwarnung

Eine Reiseverkäuferin, die selbst gerade im Steigenberger Aqua Magic Hotel zu Gast war, schreibt auf Facebook, in der Anlage laufe der Betrieb normal. Berichte über hygienische Mängel könne sie nicht bestätigen, erklärt sie. Andere Reiseprofis vermuten, die Kontroverse um die Zustände in dem Hotel werde medial aufgebauscht.

Tatsächlich dürfte der unterschiedliche Umgang mit dem Thema auch damit zusammenhängen, dass von den Todesfällen in diesem Fall Urlauber von Thomas Cook betroffen waren. Bei der verstorbenen Frau handelte es sich zudem um die Mitarbeiterin eines Reisebüros des Konzerns. Vor allem in britischen Medien tauchte daher der Name des Konzerns in nahezu jeder Überschrift auf, bisweilen wurde sogar die betroffene Anlage als „Thomas Cook Hotel“ etikettiert.

Dabei spielen wohl auch Erfahrungen des Konzerns aus dem Jahr 2015 eine Rolle. Damals hatte eine gerichtliche Untersuchung Thomas Cook eine Verletzung der Sorgfaltspflicht bescheinigt, nachdem im Jahr 2006 zwei Kinder in einem Hotel auf der Insel Korfu an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren. Der Veranstalter, mit dem die Urlauber nach Griechenland gereist waren, hatte zuvor jede Verantwortung für die tragischen Vorfälle bestritten. Nach der gerichtlichen Untersuchung entlud sich in Großbritannien ein Proteststurm, der in Boykottaufrufen gipfelte. Später entschärfte Konzernchef Peter Fankhauser den Konflikt, indem er mit den Familien der Opfer zusammentraf und ihnen Unterstützung zusagte.

Offizieller Befund lässt auf sich warten

Frisch befeuert wurde die Debatte um die Todesursache des britischen Ehepaares Ende vergangener Woche. Die Tochter des verstorbenen Paares, die sich ebenfalls in den Hotel befunden hatte, äußerte die Befürchtung, dass die ägyptischen Behörden die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern versuchten und kritisierte, dass das Zimmer, in dem sie übernachtet hatten, schon kurz nach ihrem Tod gereinigt worden sei. Die Deutsche Hospitality, deren Marke Steigenberger die Vorfälle zunehmend zu beschädigen drohen, hat unterdessen eine eigene Untersuchung der Rahmenumstände des Unglücks angekündigt.

Christian Schmicke

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