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20. Dezember 2017 – 14:14
Stiftung Warentest prüft Veranstalter: Was das Ergebnis sagt – und was nicht

Wenn Deutschlands oberste Testinstitution, die Stiftung Warentest, sich eines Themas annimmt, dann ist ihr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewiss. Schließlich gilt die mit öffentlichen Mitteln geförderte Stiftung, anders als Medien und sonstige Akteure, die sich in diesem Tätigkeitsfeld tummeln, als besonders unabhängig und gewissenhaft in ihrer Methodik. Deshalb dürfte auch die Touristik das jüngste Ergebnis eines Veranstaltertests durch die Stiftung aufmerksam verfolgen.

Mit Alltours, Dertour, FTI, Neckermann, Schauinsland und Tui knöpften sich die Tester Marken der größten Anbieter vor, um sie auf ihr Preisniveau, die Kundenzufriedenheit, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten und Mängel in den AGB zu überprüfen. Einen eindeutigen Testsieger konnten sie nach eigener Aussage nicht ermitteln. In allen vier Disziplinen positiv schnitt nach ihrem Urteil als einzige Marke Neckermann ab.

Für die Anbieter erfreulich fiel das Ergebnis einer Umfrage unter 400 Kunden zur Zufriedenheit aus. Zwischen 75 (FTI) und 88 Prozent (Tui und Neckermann) der Teilnehmer erklärten, sie seien mit der Produktqualität der Anbieter zufrieden. Zwischen 88 (FTI) und 94 Prozent (Tui) gaben an, sie würden bei dem Veranstalter wahrscheinlich wieder buchen.

Schauinsland am billigsten, Dertour am teuersten. Interessant ist, dass zwischen der Einschätzung der Kunden zum Preisniveau der Veranstalter und dem Testergebnis eine Lücke klafft. So ermittelte die Stiftung Warentest Schauinsland als günstigsten Veranstalter, während die Kunden dieses Attribut am ehesten Alltours zuschrieben. Im Test lagen die Preise von Alltours hingegen um knapp elf Prozent über denen von Schauinsland, als teuersten Anbieter identifizierten die Warentester Dertour und als zweitteuersten Tui.

In Sachen Nachhaltigkeit bescheinigt die Stiftung den Veranstaltern Nachholbedarf. Bei Tui und Neckermann wollen sie immerhin "Hinweise auf ein nennens­wertes Engagement für Umwelt­schutz und Soziales“ entdeckt haben. Dertour werden "wenigs­tens Ansätze zur Nach­haltig­keit" attestiert. Die anderen Veranstalter böten dazu hingegen "wenig bis nichts Erkenn­bares“.

In den Geschäfts­bedingungen der Veranstalter fanden die Tester nur wenige unzu­lässige Klauseln. Eine Ausnahme sei FTI, bemängeln sie. So behalte sich der Veranstalter vor, Reisen, bei denen die Mindest­teilnehmerzahl nicht erreicht werde, zwei Wochen vor Reise­beginn abzu­sagen. Bezahlt werden müssten diese aber 30 Tage vor Antritt. Für kritikwürdig befand die Stiftung Warentest einige "verbraucherunfreundliche Klauseln“. Diese bezogen sich in der Regel auf hohe Anzahlungen und Stornokosten.

Aussagekraft ist begrenzt. Bleibt die Frage, welcher Erkenntnisgewinn sich aus dem Veranstaltertest ableiten lässt. An der Kundenbefragung mit 400 Kunden aus einer für die deutsch­sprachige Onlinebevölkerung ab 18 Jahren repräsentativen Gruppe gibt es nichts zu bemängeln. Über das positive Ergebnis kann sich die Touristik durchaus freuen. Der Aussagewert des Preisvergleichs ist dagegen begrenzt. Denn wie die Tester selbst einräumen, waren sie zwar bemüht, vergleich­bare Reisen auszuwählen. Doch gelinge dies selten hundert­prozentig, weil die Veranstalter nicht immer dasselbe Hotel, dieselbe Air­line und dieselben Flug­zeiten anböten. Ermittelt werden konnte damit allenfalls eine Art mittleres Preisniveau der Veranstalter bei jeweils 30 Urlaubspaketen, der Vergleich identischer Produkte fehlt dagegen. Als grober Orientierungsrahmen mag dies etwas taugen, den individuellen Preisvergleich erspart der Test den Kunden aber keineswegs.

Einigermaßen dünn fällt auch der Test der Nachhaltigkeitsaktivitäten aus. Dafür wurde auf den Websites nach Informationen zum Thema gesucht. Die Veranstalter selbst sollten in einer Befragung Auskunft zu ihrer Unter­nehmens­politik zur Nach­haltig­keit geben und ihre Nach­haltig­keits­aktivität mit Dokumenten belegen, beispiels­weise Zertifikaten. Das kratzt allenfalls an der Oberfläche der komplexen Thematik, denn die Ergebnisse basieren ausschließlich auf der Selbstdarstellung der Unternehmen. Ein echter Test sieht anders aus.

Christian Schmicke

 

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