08. Oktober 2018 – 15:26
Schmetterling-Beirat startet Kampagne für mindestens elf Prozent Provision

Die Veranstalter wollen ihre Margen auf Kosten des stationären Vertriebs verbessern, kritisiert Reisebüroinhaber André Bruns in seiner Funktion als Sprecher des Schmetterling-Reisebürobeirates. Mit der Kampagne "#11plus", der sich Reisebüros, Ketten und Kooperationen anschließen sollen, fordert er eine Mindestvergütung von elf Prozent.

Der Reisebüro-Beirat der Kooperation Schmetterling ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Als Gremium, das sich ausschließlich aus Kooperationsmitgliedern zusammensetzt, kann er sich das leisten. Schließlich ist der Beirat an die diplomatischen Spielregeln, die wechselseitige Abhängigkeiten den Lenkern von Ketten und Kooperationen nun mal auferlegen, nicht gebunden. Und so passt es gut, dass Reisebüroinhaber André Bruns als Sprecher des Schmetterling Reisebüro-Beirats mit deutlichen Worten auf ein aktuelles Statement des neuen Tui-Vertriebsgeschäftsführers Hubert Kluske reagiert.

Kluske hatte in einem Interview mit der Fachzeitschrift "FVW“ erklärt, zehn Prozent Provision ab der ersten Buchung seien "nicht klug". Für die Vergütung müsse stärker als bisher entscheidend sein, was der Veranstalter mit bestimmten Produkten verdiene. Bruns setzt Kluskes Plänen nun die Forderung entgegen, die Veranstalter sollten ihre Vertriebspartner in der Tat nicht mit zehn, sondern mit mindestens elf Prozent vergüten.

Beirat nimmt Kooperationen in die Pflicht

"Seit Jahren müssen die Reisebüros eine effektive Provisionskürzung fast aller Veranstalter widerstandslos hinnehmen", kritisiert der Reisebüro-Chef. Auch die großen Reisebürokooperationen hätten "daran nicht wirklich viel ändern" können – "trotz der anerkannten Bemühungen, diesem allgemeinen Trend entgegenzuwirken".

"Uns reicht es jetzt", erklärt Bruns. Es müsse "endlich ein Umdenken in der Branche erfolgen und die Reisebüros müssen sich gegen diesen Trend zur Wehr setzen", fordert er. Daher habe der Beirat eine Kampagne unter dem Hashtag #11plus ins Leben gerufen, die auf dieses Thema aufmerksam machen und eine Diskussion über die Zukunft des Reisevertriebs aus Sicht des Reisebüros anstoßen solle.

Dabei nimmt er auch seine eigene Kooperation in die Pflicht und fordert zudem vom Kooperationsverbund QTA, dem auch Schmetterling angehört, sie solle "dieses Thema mit uns ernsthaft diskutieren und Lösungen erarbeiten“. Namentlich richtet er seinen Appell an den Sprecher des Verbundes, Thomas Bösl.

Nichts verkaufen, was nicht auskömmlich ist

Aber auch seine Reisebürokollegenwill der Beiratssprecher nicht aus der Verantwortung entlassen. Sie müssten aufhören, "Produkte zu verkaufen, die nicht auskömmlich sind". Niemand könne wirklich ernsthaft darüber nachdenken, "zum Beispiel L‘Tur-Produkte für eine Provision von 5 Provision" zu verkaufen. Auch gedeckelte Margen bei bestimmten Produkten, wie Hotels aus Bettendatenbanken, die das Reisebüro nach Ansicht der Veranstalter mit einem selbst kalkulierten Aufpreis verkaufen soll, seien "eigentlich eine Frechheit", erklärt Bruns. "Das Reisebüro soll einen Preis am Markt durchsetzen, den der Veranstalter angeblich nicht konkurrenzfähig anbieten kann, wobei andere Hotelportale trotz konkurrenzfähiger Preise ab der ersten Buchung elf Prozent bieten", folgert er.

In diesem Zusammenhang nimmt der Beirats-Chef auch den jüngsten Ansatz von QTA-Chef Thomas Bösl aufs Korn. Dieser hatte das Servicepaket "Quality Plus", das diverse Versicherungsleistungen erhält, als Möglichkeit lanciert, über Serviceentgelte die eigene Marge zu verbessern. Es sei "fast schon ein Hohn, dass die Reisebüros Ihre Margen mit Service-Entgelten erhöhen sollen", findet Bruns. "Es kann nicht Aufgabe der Reisebüros sein, das Versagen der Veranstalter, den Vertriebspartnern eine auskömmliche Provision zu zahlen, dadurch kompensieren zu müssen."

Keine Margensteigerung auf Kosten des Vertriebs

Wenn die Reisebüros eine Servicegebühr von den Kunden nähmen, dann dafür, dass Sie zusätzliche Aufgaben für Ihre Kunden erfüllten, die vom Veranstalter nicht mehr geleistet würden – "aber nicht, um die Marge und Rentabilität der Leistungsträger zu steigern, die mit der Kürzung der Provisionen einhergeht".

Altes Thema, neuer Anlauf. Eine Strategie, wie die Forderungen, die bei kaum einem Veranstalter auf große Gegenliebe stoßen dürften, verrät das Positionspapier nicht. Aber immerhin setzt Bruns mit seinem Vorstoß ein weiteres Zeichen dafür, dass der – von wenigen Ausnahmen abgesehen – weitgehenden Passivität des stationären Vertriebs in Sachen Provision mal wieder eine Phase größerer Konfliktfreudigkeit folgen könnte.

Christian Schmicke

 

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