31. Januar 2019 – 18:22
Mallorcas Zwickmühle: Zwischen Gästeschwund und "Overtourism"
andreasruettgers
Schauinsland-Touristikchef Andreas Rüttgers – Foto: Schauinsland

"Overbooking" heißt ein tourismuskritischer Film, der seit der vergangenen Woche in einem Kino von Mallorcas Hauptstadt Palma gezeigt wird. Weil die Tickets laut der „Mallorca Zeitung“ sofort vergriffen waren, wird die Spielzeit nun bis zum 7. Februar verlängert. Die Frage, wie viel Tourismus die Baleareninsel verkraftet, ob der Begriff Overtourism angebracht ist und wie Mallorca mit dem ganzen Thema umgehen sollte, treibt viele um – auch bei uns in Deutschland.

Kaum eine Woche vergeht, in der das Thema nicht aufgegriffen wird. Ob es nun Proteste genervter Bewohner Palmas sind, die Touristensteuer oder neue Gesetze der Balearen-Regierung, mit denen sie den Auswüchsen des Sauf- und Partytourismus beizukommen versucht. Vom Boulevard bis hin zu Wirtschafts-, Politik- oder Kulturmagazinen lässt sich kaum ein Genre das konfliktträchtige Thema entgehen.

Sinkende Buchungszahlen

Dabei hat das beliebteste Reiseziel der Deutschen den Nachfragezenit hierzulande ohnehin gerade überschritten. Aus Deutschland kamen deutlich weniger Touristen als 2017 und auch für das laufende Jahr berichten die Veranstalter von schwachen Buchungszahlen. So beziffert die mallorquinische Zeitung "Diario de Mallorca" das Buchungsminus auf der Basis einer Umfrage während der Messe Fitur aktuell auf 17 Prozent. Es werde damit gerechnet, dass die Zahl deutscher Urlauber im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent sinke, heißt es.

Andreas Rüttgers, Touristikchef beim Duisburger Veranstalter Schauinsland Reisen und häufig auf Mallorca unterwegs, ist der Meinung, dass in der aktuellen Overtourism-Debatte einige Dinge durcheinandergebracht werden. "In Palma gibt es bisweilen ein Problem mit Kreuzfahrt, die in großer Zahl in die Altstadt einfallen", räumt er ein. Außerdem leide die Bevölkerung der Inselhauptstadt unter steigenden Mieten, die aber keineswegs von den klassischen Pauschalurlaubern verursacht würden, die sich in der Ferienhotellerie einmieteten. Vielmehr basiere die Kostenexplosion darauf, dass Palma für viele Europäer als Wohnort attraktiv geworden sei.

Sympathiekampagne als Gegenmittel

Rüttgers ist genervt, dass das mediale Mallorca-Bild von den vereinzelten Demonstrationen und der Touristensteuer geprägt wird. Wie bereits berichtet, hat er deshalb kurz vor Weihnachten zusammen  mit mallorquinischen Hotelketten wie Iberostar, Viva Hotels, Zafiro Hotels Fergus Hotels und BQ Hotels sowie einer der größten Zielgebietsagenturen der Balearen, Side Tours, die Kampagne „Mallorca freut sich auf Dich“ ins Leben gerufen, die bis  Anfang März auf Plakaten und mit TV-Spots um Urlauber aus Deutschland wirbt.

Die Hoteliers auf der Insel seien von dem Bild, das in Deutschland entstehe, verwirrt bis schockiert gewesen, berichtet Rüttgers. Auch er selbst hätte vor drei Jahren noch nicht gedacht, "dass man eine Kampagne machen muss, die erzählt, dass man sich hier auf Gäste freut", sagt er im Gespräch mit Reise vor9. Tatsächlich freuten sich nicht nur die Hoteliers, sondern auch ihre Mitarbeiter jedes Jahr auf die Besucher, unter denen zahlreiche Stammgäste seien.

An der Touristensteuer liegt es nicht

Auch die Touristensteuer, die Ecotasa, die häufig als Abzocke an den Urlaubern abgestempelt werde, sieht Rüttgers positiv. Schließlich werde das Geld nicht einfach zur Aufbesserung der öffentlichen Kassen verwendet, sondern fließe in nachhaltige Projekte. So seien mit den Mitteln im vergangenen Jahr beispielsweise zahlreiche Radwege für mehr Sicherheit im Straßenverkehr markiert als auch der Naturpark Levante durch den Zukauf einer großen Finca erweitert worden.

"An der Ecotasa liegt es nicht, wenn Besucher nicht mehr kommen", ist Rüttgers überzeugt. Eher schon an den Hotelpreisen, die in den vergangenen fünf Jahren um rund 20 Prozent gestiegen sind. Obwohl viele Hoteliers in ihre Qualität investiert und ihre Anlagen aufgewertet hätten, sei ein kritischer Punkt erreicht, so der erfahrene Touristiker. Griechenland hingegen sei mit dem Preisthema in jüngster Zeit sensibler umgegangen.

Schwieriges Jahr 2019

Daher glaubt Rüttgers auch, dass dieses Jahr für Mallorca schwierig wird. Einfach darauf zu hoffen, dass die Buchungen schon noch kommen, reiche jedenfalls nicht aus. Immerhin hätten viele Hoteliers während der Fitur Ende Januar schon signalisiert, dass sie im Hinblick auf die Preise zu Zugeständnissen bereit seien. So würden etwa Frühbucherpreise verlängert und die Preise im Laufe der Saison weiter angepasst. Mit einigen Hotels habe Schauinsland auch langfristige Verträge, so dass die Preiserhöhungen der vergangenen Jahre nicht überall zum Tragen gekommen seien.

Und auch in Sachen Sympathiewerbung will Rüttgers nicht locker lassen. So lädt Schauinsland am 20. März um 18.30 Uhr Reisebüros zum Infoabend mit mallorquinischen Speisen in die Firmenzentrale nach Duisburg ein. Vier Hotelpartner von der spanischen Insel, Ferrer Hotels, Blau Hotels, Garden Hotels und Universal Hotels, sind mit von der Partie. Pro Reisebüro können sich zwei Teilnehmer anmelden.

Christian Schmicke

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