28. November 2018 – 15:25
„Kanada ist nicht kalt, sondern cool“
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Die Deutschen fliegen auf Kanada und suchen vor allem Naturerlebnisse. Foto: iStock/LuCaAr

David Goldstein, Chef von Destination Canada, will im nächsten Jahr am Besucherrekord von 1996 kratzen. Influencer sollen junge Leute mobilisieren, Reisebüros die Nebensaison pushen, sagt er im Interview mit Thomas Hartung:

Ihr Plan für dieses Jahr waren knapp 400.000 Besucher aus Deutschland. Die Hochsaison ist gelaufen. Wo steht Kanada?

Wir werden unseren Plan übertreffen. Wir hatten mit einem Plus von drei Prozent gerechnet. Jetzt werden es zwischen vier und fünf Prozent, also rund 405.000.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Es gibt mehrere Gründe. Wir haben in den vergangenen vier Jahren mit unserem Marketing versucht, den Deutschen zu vermitteln, dass Kanada nicht kalt, sondern cool ist. Das hat anscheinend funktioniert. Außerdem haben wir gute Flugverbindungen, insbesondere Condor in den Norden Kanadas. Auf der Produktseite hat sich im Indigenous Tourism viel getan. Das hat viele Reiseveranstalter überzeugt, die das in ihre Programme eingebaut haben.

Spielt der Sympathie-Bonus für Ihren Premier Justin Trudeau auch eine Rolle?

Unser Erfolg kam nicht über Nacht, das hat schon 2013 begonnen, bevor Justin Trudeau Premierminister wurde. Ich persönlich glaube eher, dass es in Deutschland eine Sympathie für Kanada insgesamt gibt. Wir sind weltoffen und liberal, und das verkörpert Justin Trudeau in Person.

Gibt es Verschiebungen bei den Regionen?

Ja, viele Deutsche zieht es zunächst in den Westen Kanadas. Das ist für Erstbesucher immer noch so, aber Wiederholer schauen sich immer öfter Ontario, Quebec und Atlantik-Kanada an.

Sie wollen die Zwischensaison stärken, aber dann sind viele Attraktionen und Hotels geschlossen.

In Atlantik-Kanada ist das ein Henne-und-Ei-Problem. Wenn Leute kommen, werden auch mehr Anbieter öffnen. In den vergangenen 50 Jahren dominierten die Amerikaner den Tourismus in Kanada. Das hat die Saisonalität stark geprägt. Jetzt wandelt sich das Bild mit mehr Europäern und Asiaten. Parks Canada hat darauf schon reagiert und lässt einige Sites länger offen.

Veranstalter befürchten, dass Sie sich mit Ihrem Budget auf China und Indien fokussieren.

Nein. Rund ein Viertel unseres Budgets geben wir für Westeuropa aus und das bleibt auch so. Wir werden unsere Kampagnen weiter fahren wie bisher. Vor allem vom Consumer Marketing mit Influencern erhoffen wir uns mehr junge Besucher. Und wir haben mehr Geld für Kooperationen mit Veranstaltern und Vertriebsorganisationen.

Wie wichtig sind Reisebüros für Kanada?

Unsere Strategie in den Märkten setzt auf drei Kanäle: Consumer, Reiseindustrie und Medien. Ein großer Teil unseres Budgets wandert in B2B-Marketing. Reisebüros sind ein wichtiger Bestandteil davon. Wie sehen insbesondere bei teuren Reisen, dass zwar online gesucht, aber offline gebucht wird. Wenn die Leute einmal im Reisebüro sind, dann buchen sie auch.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Mehr! Unser Rekordjahr in Deutschland waren 440.000 Besucher. Das war 1996. Nächstes Jahr können wir da nah drankommen. Die Buchungen laufen sehr gut, die Veranstalter berichten von zweistelligen Zuwächsen. Flugplätze gibt es auch genug.

Aus Reise vor9 Magazin, Heft 12/2018

 

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