29. November 2018 – 15:28
Boeing kritisiert Behördenbericht zu Lion-Air-Absturz
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Boeing 737 max – Foto: Boeing

Für den Flugzeugbauer steht viel auf dem Spiel. Sollte es sich als eindeutig erwiesen herausstellen, dass beim Absturz ein technischer Defekt an der neuen 737 Max 8 vorlag, könnte das gravierende Folgen für das Unternehmen aus Seattle haben. Nachdem das indonesische Amt für Transportsicherheit KNKT am Mittwoch einen ersten Bericht zur Unglücksursache vorgestellt hatte, unter anderem mit einer Auswertung der Black Box – der Stimmenrekorder wurde noch nicht gefunden –, gab Boeing eine eigene Pressemitteilung heraus und hielt den Ermittlern vor, nicht alle Fakten berücksichtigt zu haben. Vor allem mit Blick auf das, was vor dem Absturz von Flug 610 passiert ist.

Frage nach getauschtem Sensor

Laut Ermittler-Bericht gab es bei der Maschine mehrmals Probleme mit der Fluggeschwindigkeit und der Flughöhe. Zwei Tage vor dem Unglück wurde einer der sogenannten Angle-of-Attack-(Anstellwinkel)Sensoren ersetzt, doch das schien die Probleme nicht zu lösen. Der Bericht der Ermittler enthalte jedoch, kritisiert Boeing in seiner Mitteilung, keine Informationen darüber, ob der Ersatz-Sensor neu war oder ob der alte Sensor nur verbessert worden war. Nachdem die Probleme erneut auftraten, entschieden sich die Piloten während des vorletzten Flugs, das automatische Trimmsystem zu deaktivieren und das Höhenruder manuell zu trimmen. Sie konnten damit den Flug bis zum Ende durchführen.

Checkliste abgearbeitet?

Boeing zufolge sei es unklar, ob die Piloten am Unglückstag die vorgeschriebene Checkliste für den „Runaway Trim Stabilizer“ abgearbeitet hätten, wie ihre Kollegen auf dem vorherigen Flug. Zu dieser Checkliste gehört das komplette Abschalten der automatischen Trimmung an zwei Schaltern auf der Mittelkonsole, so dass dann nur noch eine manuelle Trimmung mit mechanischen Handrädern verbleibt.

Umstrittenes Hilfssystem

Boeing hatte bei der 737 MAX ein neues Trimm-Hilfssystem MCAS eingeführt. Unter bestimmten Umständen versuchen die Max-Jets, die Flugzeugnase nach unten zu drücken, sobald sie beim Steigflug die Gefahr eines Strömungsabrisses erkennen. Durch die Störung des Anstellwinkelgebers könnte das System hier irrtümlich angesprungen sein, ohne dass tatsächlich eine zu geringe Geschwindigkeit vorlag. Die Piloten hätten die Automatik jedoch deaktivieren können, lässt Boeing wissen. Wichtige Erkenntnisse dazu erhoffen sich die Ermittler von der Auswertung des Stimmenrekorders, der allerdings noch nicht gefunden wurde.

Kritik am Training für 737 Max

Das MCAS-System hat nach dem Absturz von JT 610 bereits für viel Kritik gesorgt. US-Piloten und -Gewerkschaften beschwerten sich, sie seien nicht genügend über die neue Technik des MCAS in den 737-Max-Jets informiert worden. Bislang sind 219 Maschinen dieses Typs weltweit ausgeliefert worden.

Boeing hat Anfang November ein Bulletin herausgegeben, in dem der Flugzeugbauer Piloten Handlungsvorschläge bei möglichen falschen Sensorangaben liefert. Die US-Luftfahrtbehörde FAA wies Airlines an, diese in ihre Flight Manuals zu integrieren. Nach Informationen der „Flugrevue“ arbeitet Boeing an einer verbesserten Software des Systems MCAS.

Andreas Förster

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