08. November 2018 – 16:46
Boeing gibt nach Lion-Air-Absturz Dringlichkeits-Hinweis für 737 Max
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Foto. Boeing

Die Hinweise verdichten sich, dass das Flugzeugunglück der Lion-Air-Maschine vor Indonesien Ende Oktober mit 189 Toten auf Probleme mit der Cockpit-Software zurückzuführen ist. Nach einer am Mittwoch von Boeing herausgegebenen Sicherheitsanweisung an alle Betreiber der 737 Max hat nun auch die US-Luftfahrtbehörde FAA hat eine Dringlichkeits-Sicherheitsanweisung (Emergency AD) an alle Betreiber der Boeing 737 Max 8 und Max 9 erlassen, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters".

Demnach bestehe die Gefahr, dass bei einem gestörtem Anstellwinkelsensor automatisch mehrfach starke Abwärts-Steuerimpulse über die Trimmung des Höhenruders abgegeben werden. Diese könnten zur "Schwierigkeiten bei der Steuerung, exzessiver Sinkfluglage, starkem Höhenverlust und Bodenkollisionen" führen, so die behördliche Warnung. Bei entsprechenden Anzeichen sollten sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Am 29. Oktober war eine neue Boeing 737 Max-8 kurz nach dem Start in Jakarta aus bislang noch nicht geklärten Umständen in die Javasee gestürzt. Der Datenschreiber konnte mittlerweile vom Meeresgrund geborgen werden, nach dem Stimmenrekorder wird noch gesucht. Indonesiens Verkehrssicherheitsbehörde hat kurz nach dem Absturz mitgeteilt, dass sie gestörte Anstellwinkelsignale als Unglückursache für wahrscheinlich halte. Auf den vier letzten Flügen des Jets seien, laut Datenschreiber, Abweichungen aufgetreten. Vor dem vorletzten Flug der Boeing hätten Techniker daraufhin die Anstellwinkelsensoren ausgetauscht. Ob die Angaben zur Fluglage in dem konkreten Fall fehlerhaft waren und damit tatsächlich zum Absturz führten, ist allerdings noch unklar. Die Untersuchungen durch die Unfallermittler werden vermutlich noch Monate dauern, berichtet "NTV".

Boeing unter Druck

Auch in der Vergangenheit hätten Hersteller und FAA bei Flugzeugunglücken, bei denen Fehler oder Irritation der Piloten eine Rolle spielten, Sicherheitswarnungen ausgegeben, bei denen auf die Grenzen bestimmter Flugzeugsysteme und die Bedeutung der empfohlenen Prozesse hingewiesen wurde. Dabei handele es sich in der Regel um erste Sicherheitsvorkehrungen, die mögliche Fehlerursachen ausschließen sollen. Einen Vorgriff auf etwaige Ermittlungsergebnisse zur Absturzursache stellten solche Warnungen nicht dar, so "NTV".

Die Aktien des größten Flugzeugherstellers der Welt waren letzte Woche an der New Yorker Börse unter Druck geraten. Die Max-8-Version ist einer der Hoffnungsträger des Airbus-Konkurrenten. Die 737 zählt zu den meistverkauften Passagierflugzeugen weltweit. Der indonesische Billigfluganbieter Lion Air ist Großkunde bei Boeing.

Nach Unternehmens-Angaben wurden weltweit rund 250 Passagierjets der Linie 373 MAX ausgeliefert. 45 davon werden innerhalb der USA genutzt, darunter von Fluggesellschaften wie Southwest Air, United Airlines und American Airlines Group.

Andreas Förster

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