24. Januar 2019 – 18:14
Am ITB-Freitag ist dieses Jahr in Berlin Feiertag
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Foto. Messe Berlin

Das beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus. Für die Einführung des Frauentages am 8. März als gesetzlicher Feiertag stimmten nach zweiter Lesung von den anwesenden 147 Abgeordneten 87, 60 Abgeordnete stimmten dagegen. Der erstmals 1911 von der Frauenrechtlerin Clara Zetkin ausgerufene Tag fand zunächst am 19. März statt, erst später setzte sich der 8. März durch. In der Bundesrepublik zunächst kaum von Bedeutung, wurde in der DDR ab 1947 offiziell begangen. Die Vereinten Nationen riefen 1975 im Rahmen des internationalen Jahrs der Frau erstmals eine Feier zum 8. März aus. 1977 rief ihn die Uno-Generalversammlung zum "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" aus.

Schreckensszenarien aus der Wirtschaft

Die schnelle Einführung erfolgte wohl auch deshalb, weil der Frauentag 2020 auf einen Sonntag fällt. Dann hätte ihn niemand so recht bemerkt. Dessen ungeachtet wurde der Feiertag schon im Vorfeld kritisiert. Laut Unternehmerverbänden soll der freie Tag 160 Millionen Euro an Wirtschaftsleistung kosten. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK)  zitiert einen mittelständischen Unternehmer: "Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet mein Unternehmen auch bares Geld. Nicht nur bei uns fallen aufgrund des Feiertags ganze Arbeitsschichten weg, Dazu kommt die zusätzliche logistische Arbeit mit Blick auf die Dienstpläne. Wir sind verpflichtet, den Mitarbeitern einen Monat im Voraus ihre Einsatzzeiten mitzuteilen. Das müssen wir jetzt auf die Schnelle alles überarbeiten. Als mittelständisches Unternehmer, der hier in Berlin  Arbeitsplätze sichert und Steuern zahlt, kann ich den Feiertagsaktionismus weder nachvollziehen noch gutheißen, ich bin stark verwundert, dass die Politik innerhalb von einigen Wochen so etwas auf den Weg bringt inklusive Beschluss aber die wahren, zahlreichen Probleme dieser Stadt endlos debattiert werden."

Shoppingtouren in Gefahr

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, erklärt: "Für die Berliner Unternehmen ist die kurzfristige Einführung des neuen Feiertags eine logistische und in vielen Fällen teure Herausforderung. Aus Sicht der Wirtschaft muss sich die Politik einmal mehr fragen lassen, ob hier auch vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur die richtigen Prioritäten gesetzt werden." Auch die Messe Berlin hat offenbar Bedenken, obwohl ihr Betrieb selbst nicht beeinträchtigt ist. Die Besucher und Aussteller der ITB wollten schließlich das große Angebot der Stadt, etwa beim Einzelhandel, in Anspruch nehmen. Wirtschaftlich sei der Feiertag daher für die ITB "eher kontraproduktiv".

Allerdings räumt man ein, dass der Wunsch nach einem zusätzlichen Feiertag grundsätzlich verständlich sei. Denn mit jährlich nur neun Feiertagen ist die Hauptstadt bundesweites Schlusslicht.

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