06. September 2018 – 17:29
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Ziemlich genau vor zwei Jahren übernahm Markus Daldrup den Vorsitz der Geschäftsführung bei Alltours. Firmengründer Willi Verhuven erklärte damals, er werde sich sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und wolle sich als Gesellschafter künftig auf die strategische Weiterentwicklung und Expansion der Unternehmensgruppe konzentrieren.

Das hatte Verhuven zuvor bereits mehrfach gesagt, Zweifel waren also angebracht. Doch mit der Zeit hätte man es fast geglaubt. Denn Daldrup hatte sich insgesamt so lange in Führungspositionen gehalten wie kein anderer. 1995 war er in die Geschäftsführung der Vertriebskette Alltours Reisecenter eingestiegen. 2004 rückte er in die Geschäftsführung der des Veranstalters auf, wo er für Marketing und Vertrieb zuständig war. Drei Jahre später schied er aus dem Unternehmen aus, um in seiner Heimatstadt Münster den Partyreiseveranstalter Müller Touristik zu leiten. 2014 kehrte er zu Alltours zurück, um zwei Jahre später Verhuven im Chefsessel zu beerben.

Daldrup bleibt noch bis Ende 2019

Doch auch diesmal war der Verhuven-Rückzug nicht von Dauer. Mit sofortiger Wirkung übernimmt er den Vorsitz der Geschäftsführung des Veranstalters wieder selbst und reißt auch den Geschäftsbereich Touristik des Veranstalters wieder an sich. Daldrup, der noch bis Ende 2019 im Unternehmen bleibt, ist bis dahin weiter Geschäftsführer, seine zuständigkeit beschränkt sich aber auf den Agenturvertrieb und die Alltours Reisecenter.  

Neben Verhuven sitzt nun noch Michael Kalt in der Unternehmensspitze. Der frühere Besitzer des IT-Dienstleisters Travel IT, der Ende 2017 in die Geschäftsführung kam, ist für die Ressorts Informationstechnologie, e-Commerce und den kaufmännischen Bereich zuständig. Zudem übernimmt er nun die Geschäftsführung der dynamisch paketierenden Tochter Byebye.

Was genau zu Daldrups Rückzug geführt hat, bleibt unklar. Verhuven sagt, Daldrup sehe „seinen beruflichen Schwerpunkt nicht im Hoteleinkauf, der den operativen Kern unserer Sparte Touristik ausmacht“. Das spricht für unterschiedliche Auffassungen zum Rollenverständnis der Position Daldrups. Ein Phänomen, dass dem Alltours-Inhaber bekannt vorkommen dürfte.

Christian Schmicke

 

06. September 2018 – 15:31

Seit geraumer Zeit beunruhigen Abmahnungen eines Hamburger Unternehmens die Reisebüros. Die RS Reisen & Schlafen GmbH mahnt fehlerhaftes oder fehlendes Impressum und mangelnde Angaben bei den Datenschutzrichtlinien ab und fordert dafür "Abmahnkosten" in Höhe von mehreren hundert Euro ein. Die Abmahnungen erfolgten dabei offenbar nicht in Einzelfällen, sondern in Form einer wahren Welle.

Das weckte bei den betroffenen Reisebüros, wie auch bei mit der Sache befassten Anwälten Zweifel, ob hier wirklich ein Reisebüro gegen Verfehlungen der Konkurrenz vorgeht. Und tatsächlich: Wie eine Vor-Ort-Recherche des Fachmagazins "FVW" ergab, befindet sich am vermeintlichen Firmensitz des Unternehmens kein Reisebüro. Unter der Anschrift am Hamburger Ballindamm seien stattdessen ein Fitnessstudio, ein Schmuckhandelsunternehmen sowie ein sogenanntes Business Center anzutreffen.

Wirklich ein Reisebüro?

Nun will die Reisebürokooperation Schmetterling gegen den Abmahner in die Offensive gehen und mit einem Musterverfahren vor Gericht ziehen. Als "starker Partner sehe sich die Schmetterling-Kooperation in der Pflicht, sich gegen die Abmahnwelle der RS zur Wehr zu setzen und sich schützend vor die Kooperationspartner zu stellen", heißt es in einer Mitteilung. Dabei gelte es, zu klären, "ob die Hamburger RS Reisen & Schlafen GmbH überhaupt als Reisevermittler tätig und somit abmahnberechtigt ist".

Nicht nur der Besuch am Firmensitz, sondern auch ein Blick auf die Website von RS weckt daran erhebliche Zweifel. Zwar weist das Handelsregister die Vermittlung von Reisen als Unternehmensgegenstand aus, doch auf der Seite finden sich weder Reiseangebote noch sonstige ernstzunehmende Hinweise auf eine touristische Tätigkeit. Touristischen Bezug hat lediglich ein allgemeiner Hinweis, der lautet: "Beginnend ab Sommer 2018 werden wir für Sie eigene Pauschalreisen im asiatischen Raum anbieten. Touristisch ist gerade China noch unentdeckt. Sie werden hier interessante Angebote von uns vorfinden." Von den versprochenen Angeboten ist bislang allerdings nirgends etwas zu sehen.

Schwesterunternehmen "für" die Hotellerie

Die Geschäftsführerin des vermeintlichen Reiseunternehmens, Petra Wesche, firmiert neben ihrer Tätigkeit für RS laut Handelsregister als Vorstand der Lekkerding AG. Deren Unternehmenszweck ist der "Betrieb von FKK- und Saunaclubs", also Bordellen. Zudem ist Wesche Geschäftsführerin der im November 2017 gegründeten GN Gute Nacht GmbH. Die könnte schon bald der Hotellerie Ungemach bringen. Denn der Unternehmensgegenstand der RS-Schwester sind laut Handelsregister "Beherbergungsdienstleistungen".

Christian Schmicke

 

06. September 2018 – 13:28

Expedienten, die für ihre Kunden die passende Reise suchen, können in Traveltainment Bistro Portal zwischen einer ganzen Reihe von Suchmöglichkeiten wählen. Manche davon sind echte Geheimtipps, wie die Suche über Himmelsrichtungen und die Suche nach Metropolen.

Suche über Himmelsrichtungen

Bistro Himmelsrichtungen

Die Suche über Himmelsrichtungen ist dann hilfreich, wenn ein Kunde nicht an einen bestimmten Abflughafen gebunden ist. In diesem Fall gibt das Reisebüro im Bereich Last Minute / Pauschal in das Feld Abflughafen einfach eine der folgenden Optionen ein: NORD, OST, SUED, WEST oder MITTE. Nach einem Klick auf Aktualisieren zeigt die Angebotsliste des ausgewählten Zielgebiets Angebote mit Abflughäfen, die in der gewünschten Himmelsrichtung liegen.  

Suche über Metropolen

Bistro Metropolen

Ist das Reiseziel eine Metropole mit gleich mehreren Flughäfen, wie zum Beispiel New York, London oder Paris, bietet sich die Suche nach Metropolen an. Denn in solch einem Fall findet der Drei-Letter-Code der Stadt Angebote für alle Flughäfen des Zielorts. Gibt das Reisebüro beispielsweise NYC in das Feld Zielflughafen ein, enthält die Angebotsliste nach einem Klick auf Aktualisieren Angebote für JFK, La Guardia und Newark.  

Anschaulich erklärt werden die beiden Suchfunktionen auch in diesem Video.

Diesen Praxistipp hat Traveltainment für die Leser von Reisevor9.de bereitgestellt.

05. September 2018 – 17:49
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Tests unabhängiger Spezialisten im Auftrag des Konzerns hätten eine hohe Konzentration von E-Coli-Bakterien und Staphylokokken in Nahrungsmitteln ermittelt, heißt es in einem Bericht, den Thomas Cook am Mittwoch veröffentlichte. E-Coli-Bakterien sind Auslöser von Durchfall und Magen-Darm-Entzündungen. Staphylokokken können können sowohl zu Vergiftungen als auch zu Infektionskrankheiten führen.

Die Untersuchung war eingeleitet worden, nachdem ein britisches Ehepaar im Aqua Magic Hotel in Hurghada plötzlich und ohne erkennbare Ursache verstorben war. Thomas Cook hatte daraufhin sämtliche 300 Gäste, die über die Veranstalter des Unternehmens in das Hotel gereist waren, umquartiert.

Keine Untersuchung  im Zimmer der Toten

Im Zuge der Untersuchung hatten die Experten öffentliche Räume, den Pool, Zimmer und die Kücheneinrichtungen untersucht. Allerdings hatten sie keinen Zutritt zum Zimmer der Verstorbenen, das von den ägyptischen Behörden im Zuge einer eigenen Untersuchung versiegelt worden war.

Die Analysen des Pools und der Luft hätten normale Werte ergeben, heißt es in dem Bericht. Zwischenzeitlich war gemutmaßt worden, die Briten seien an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Dafür gebe es keine neuen Anhaltspunkte, erklärt Thomas Cook.

Todesursache weiter unklar

Es sei nach übereinstimmender Einschätzung der Experten auch unwahrscheinlich, dass die vorgefundene Bakterienkonzentration zum Tode der Urlauber geführt hätten, so der Bericht. Man müsse die Ergebnisse der Autopsie, die durch die ägyptischen Behörden durchgeführt werde, abwarten.

Ungeachtet dessen sei klar, dass in dem Steigenberger Hotel, das von einem Franchisenehmer betrieben wird, im August etwas schiefgelaufen sei. Das decke sich auch mit einer signifikant zurückgegangenen Gästezufriedenheit und zahlreichen Berichten über Krankheiten, teilt Thomas Cook mit. Der Konzern arbeite derzeit an einem Entschädigungspaket für alle Kunden, die das Hotel im August besucht hätten, und werde bis auf weiteres keine neuen Gäste mehr in die Anlage schicken. Mit der Aufarbeitung von Beschwerden über das Hotel sei ein eigenes Team beauftragt worden.

Christian Schmicke

 

05. September 2018 – 17:10
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Das neue Angebot steht ab dem 16. Juni 2019 zur Verfügung. Zunächst startet der nordeuropäische Billigflieger mit täglichen Flügen von Frankfurt nach New York JFK. Später steuert die Airline von Frankfurt aus auch Boston (vier Mal pro Woche), Montreal (drei Mal pro Woche) und Toronto (täglich) an. Die Airline setzt für die neuen Transatlantik-Routen Boeing 737 Max 9 mit 189 Plätzen ein, die in zwei Klassen, Premium Economy und Economy Class, unterteilt sind. Die Mittelstreckenmaschinen haben eine erhöhte Reichweite.

Damit setzt Primera Air ihren Expansionskurs in Deutschland fort. Erst kürzlich hatte die Fluglinie angekündigt, ab dem nächsten Sommer Berlin-Tegel mit Boston, New York Newark und Toronto zu verbinden. Auch von Berlin aus will Primera Boeing 737 Max 9 einsetzen. Die Airline will in Zukunft an allen großen europäischen und nordamerikanischen Flughäfen vertreten zu sein. Mit Berlin, Frankfurt, London-Stansted, Paris Charles-de-Gaulle und Brüssel hat Primera Air dann fünf Langstreckenbasen.  

Primera Air gehört zur isländischen Primera Travel Group, die Reisebüros in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden unterhält. Die Fluggesellschaft ist in eine lettische (Primera Air Nordic) und eine dänische (Primera Air Scandinavia) geteilt. Derzeit umfasst die Flotte fünf Airbus A321 neo und zehn Boeing 737. Acht Maschinen fliegen bei Primera Air Scandinavia, sieben bei der lettischen Schwestern Primera Air Nordic.  

THo

 

05. September 2018 – 14:40
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Kunden von Lufthansa können künftig in mehr deutschen Städten eine nahtlose Anreise mit der Bahn zu ihrem Flug, der vom Frankfurter Flughafen startet, hinzu buchen. Umgekehrt sind diese Städte dann auch Zielorte im Lufthansa-Netz und lassen sich weltweit direkt buchen. Schon seit dem 4. September ist ein Teil des neuen Angebots nutzbar, mit Verbidnungen von und nach Göttingen, Kassel, Erfurt und Aachen. Vom 9. Dezember an sind Freiburg und Ulm an das Lufthansa-Express-Rail-Netz angebunden. Mit Essen, Bochum, Duisburg, Wuppertal, Oberhausen und Bonn wird die Erweiterung ab 9. Juni kommenden Jahres abgeschlossen sein. Bislang ist Lufthansa-Express-Rail bereits ab Dortmund, Düsseldorf, Köln, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg und Würzburg verfügbar.

Die je Abfahrtsort bis zu acht täglichen Verbindungen bieten eine bequeme Anbindung an die Lufthansa Flüge in Frankfurt. Lufthansa-Express-Rail-Gäste erhalten zudem einen reservierten Sitzplatz im Zug, Miles&More-Meilen, sowie einer garantierten Anschlussverbindung. Das heißt. Bei unerwarteter Verspätung von Zug oder Flug bucht Lufthansa ihre Gäste kostenlos auf eine Anschlussverbindung um. Business-Class-Gäste reisen in der 1. Klasse der Deutschen Bahn und haben Zutritt zu den DB-Lounges.

Check-in und Sitzplatzvergabe für den Express-Rail-Service können online über LH.com oder mobil über die Lufthansa App vorgenommen werden. Die Bordkarte dient als Fahrschein für den Zug. Am Flughafen Frankfurt können Lufthansa-Express-Rail-Gäste Ihr Gepäck direkt im Fernbahnhof aufgeben und wieder in Empfang nehmen.

THo

 

05. September 2018 – 12:51

Die jährlich stattfindende Veranstaltung für die Reisebüros im Verband ist nun für den 28. März geplant. Veranstaltungsort ist das Lindner Congress Hotel in Düsseldorf. Wie in den Jahren zuvor sollen bei dem Vertriebstreffen aktuelle Branchenthemen von Fachexperten vorgestellt und mit den Teilnehmern kontrovers diskutiert werden. Infos zum Programm sollen im Herbst folgen.

Ralf Hieke, Vizepräsident der mittelständischen Reisemittler im DRV, begründet die Standortwahl mit der "überaus positiven Resonanz auf den Standortwechsel von Frankfurt nach Essen in diesem Jahr". Daher habe man sich entschieden, auch 2019 wieder in Nordrhein-Westfalen zu tagen.

 

05. September 2018 – 08:26

Tropensturm "Jebi“ hat in Japan schwere Verwüstungen angerichtet. Nach Angaben der Behörden kamen im Westen des Landes zehn Menschen ums Leben, 300 wurden verletzt. Der Flughafen Kansai nahe Osaka, der auf einer künstlichen Insel liegt, wurde überflutet. Etwa 3.000 gestrandete Passagiere mussten per Boot zum Flughafen Kobe gebracht werden. Noch ist unklar, wann der Flughafen wieder öffnen wird. Einige Straßen und Zugstrecken in den betroffenen Gebieten bleiben noch gesperrt. Auch die Flughäfen Itami Airport in Osaka und Chubu Centrair International Airport in Nagoya sind von zahlreichen Flugausfällen betroffen.

 

04. September 2018 – 17:38
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Wenn das Sicherheitspersonal am Boden streikt und deshalb Flüge ausfallen, können Fluggesellschaften in Einzelfällen zu Ausgleichszahlungen an ihre Passagiere verpflichtet sein. Das entschied am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH). Allerdings sei im Einzelfall zu prüfen, ob die Flugstornierung wegen Sicherheitsmängeln gerechtfertigt war, erklärten die Richter.

Geklagt hatte in dem konkreten Fall ein Ehepaar, das im Jahr 2015 mit Easyjet von Hamburg nach Lanzarote fliegen wollte. Die Airline strich den Flug, weil an dem Tag die Sicherheitskontrollen des Hamburger Flughafens bestreikt wurden. Das Ehepaar verlangte von der Fluglinie daraufhin eine Entschädigung.

Kontroverse Entscheidungen

Die Vorinstanzen hatten die Klage jeweils abgelehnt. Dem Ehepaar stehe keine Entschädigung zu, weil die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgehe, entschied vor dem BGH das Landgericht Hamburg. Durch den Streik habe das Risiko bestanden, dass nicht mit gewohnter Sorgfalt kontrolliert werde. Die Fluglinie treffe daher keine Schuld.

Der BGH hob diese Entscheidungen nun auf und wies den Fall zur weiteren Aufklärung an das Landgericht Hamburg zurück. Eine Annullierung sei nur gerechtfertigt, wenn kein Passagier rechtzeitig durch die Kontrolle gekommen sei und das Flugzeug erreicht habe, heißt es zur Begründung. Abstrakte Sicherheitsbedenken allein genügten nicht, um die Annullierung zu rechtfertigen, erklärte der Vorsitzende Richter Peter Meier-Beck in seiner Urteilsverkündung. Die Airline müsse vielmehr ihre Besorgnis auf konkrete Umstände stützen.

Kein Grundsatzurteil

Eine grundsätzliche Entscheidung zur Entschädigungsverpflichtung von Fluggesellschaften bei Streiks traf das Gericht damit nicht. Airlines berufen sich in solchen Fällen häufig auf höhere Gewalt und argumentieren, sie seien Opfer außergewöhnlicher Umstände geworden und hätten alles Zumutbare unternommen, um die Beeinträchtigungen zu vermeiden. Dieser Argumentation war auch der BGH bislang gefolgt. Dagegen sehen der Europäische Gerichtshof und zuletzt auch ein Luxemburger Gericht die Fluggesellschaften bei Streiks im eigenen Haus tendenziell in der Pflicht. Wie es sich mit Streiks bei Dritten, in diesem Fall an den Sicherheitskontrollen verhält, ist freilich noch eine andere Sache.

Christian Schmicke

 

04. September 2018 – 14:16
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Ob Overtourism oder Luftverschmutzung – die Kreuzfahrtbranche muss sich immer intensiver mit den negativen Begleiterscheinungen ihres Booms auseinandersetzen. Zuletzt wurde das am Montag in der ARD-Sendung "Hart aber fair" deutlich, der die Fragestellung "Wir Kreuzfahrer und Billigflieger - wer zahlt den Preis für den Massen-Tourismus?" zugrunde lag. Darin wurde sowohl die soziale als auch die ökologische Bilanz der Kreuzfahrten für die angelaufenen Ziele heftig kritisiert – unter anderem am beliebten Beispiel Venedigs.

Zu den Hauptkritikpunkten gehört etwa der Vorwurf, Kreuzfahrtpassagiere ließen nicht viel Geld in den Städten, die sie besuchen. Der internationale Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Assoziation (Clia) versucht mit aktuellen Zahlen zu kontern. Demnach verzeichnet die Branche neben kontinuierlich steigenden Passagierzahlen und Umsätzen auch gestiegene Ausgaben der Passagiere. So haben Kreuzfahrttouristen im vergangenen Jahr vor und während ihrer Reise in den vier wichtigsten europäischen Kreuzfahrtmärkten Deutschland, Großbritannien, Italien, und Frankreich 2,2 Milliarden Euro ausgegeben. Davon allein knapp eine Milliarde Euro während ihrer Landausflüge.

Was Kreuzfahrer an Land ausgeben

Die deutschen Kreuzfahrthäfen profitierten von dem Passagierboom mit 377 Millionen Euro, der größte Teil (358 Millionen) entfiel auf Ausgaben vor der Reise. Also Hotelübernachtungen, An- und Abreise und Ausgaben in der Stadt. Allerdings belegen die Zahlen auch eine gewisse Sparneigung der Besucher bei Landgängen. Nur fünf Prozent ihrer Ausgaben verbuchten die Passagiere dort, also bei Städtetouren, in der Gastronomie und bei Einkäufen in lokalen Geschäften. Pro Landgang und pro Passagier werden 48 Euro ausgegeben, rechnet man An- und Abreise sowie Übernachtungen hinzu, verdreifacht sich der Wert auf 156 Euro.

Insgesamt sei die wirtschaftliche Bedeutung der Kreuzfahrten größer als die Zahl der Gäste, argumentiert die Clia. Auch wenn die Kreuzfahrtbranche wachse, sei ihr Anteil am Gesamttourismusaufkommen relativ klein. So machten Kreuzfahrten in Deutschland, dem größten europäischen Quellmarkt, nur drei Prozent des gesamten Tourismusaufkommens aus Deutschland aus. Gleichzeitig sei der Umsatzanteil der Kreuzfahrtindustrie am deutschen Reisemarkt mit etwa 12 Prozent überproportional hoch. Außerdem befänden sich rund 50.000 der 400.000 Jobs in der europäischen Kreuzfahrtindustrie in Deutschland. Dabei machten Kreuzfahrtpassagiere selbst in hochfrequentierten Reisezielen – wie Barcelona oder Venedig nur einen kleinen Anteil von fünf bis acht Prozent der Gesamtbesucherzahl aus.

Investitionen in Umwelttechnologie

Auch in Sachen Umwelt sieht sich die Kreuzfahrtbranche nicht gerecht behandelt. So investiere sie in neue, umweltschonende Antriebstechnologien und die Instandsetzung ihrer Schiffe. Fast die Hälfte der weltweiten Flotte, 111 von 253 Schiffen, fahren laut Clia bereits mit nachbehandelten Abgassystemen. Das erste rein mit dem umweltfreundlicheren Flüssigerdgas (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff sei mit der "Aida nova" unlängst in Dienst gestellt worden, 16 weitere folgen bis 2023.

AF

 

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