Der neue Reise vor 9 Magazin ist da!

19. Januar 2018 – 14:21
RTK-Chef Thomas Bösl fordert höhere Margen für Reisebüros
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Thomas Bösl – Foto: RTK

Eigentlich ist Thomas Bösl ein ziemlich diplomatischer Typ. Manchen Vertretern der Reisebüro-Seite ist der RTK-Chef zu konziliant, wenn es um Interessenkonflikte, zum Beispiel mit den Veranstaltern, geht. Doch nun findet der Kooperationslenker aus Burghausen klare Worte und richtet sich mit einem Appell an die Branche. Diese müsse dringend "an einer Margenverbesserung für den stationären Vertrieb arbeiten", fordert er an die Adresse der Veranstalter gerichtet. "Veranstalter sollten künftig Gesprächen über Provisionsverbesserungen offener als bisher gegenüberstehen."

Jede Menge unbezahlte Arbeit. Nun ist die Forderung nach mehr Provision so alt wie die Geschäftsbeziehungen zwischen Veranstaltern und Reisebüros selbst. Doch in der Tat gibt eine Reihe von aktuellen Ereignissen Bösls Appell neue Nahrung. Die Belastung am Counter habe in den vergangenen Monaten durch Airline- und Veranstalter-Insolvenzen "vertretbare Grenzen überschritten“, argumentiert der RTK-Chef, der zugleich als Sprecher des Kooperationsverbundes QTA fungiert. Im laufenden Jahr werde die unbezahlte Arbeit aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung und der Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie erneut deutlich zunehmen. "Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und weitere Produzenten sind daher aufgefordert, ihre wichtigsten Vertriebspartner besser zu unterstützen und Leistungen finanziell anzuerkennen. Wir arbeiten gern gemeinsam mit allen Beteiligten an neuen Lösungen, um die wirtschaftliche Situation im Reisebüro zu verbessern", so Bösl.

Aufgaben werden an Vertrieb delegiert. Er kritisiert darüber hinaus, dass viele Reiseveranstalter weiterhin Arbeit an ihre Vertriebspartner delegierten, ohne dafür zu bezahlen. "Einerseits haben ungelöste Probleme wie Reiseunterlagen, uneinheitliche Gepäckregelungen oder permanente Veränderungen von Flugzeiten zugenommen, andererseits sind die Provisionen höchstens stabil geblieben." Die Preissensibilität der Kunden dürfe natürlich nicht aus den Augen verloren werden, so Bösl. Aber die "ständige Anpassung nach unten" führe letztendlich zum Qualitätsabbau. Die gesamte Branche profitiere nachweislich von der Qualität und Flexibilität des stationären Vertriebs. „Nur durch die Mehrarbeit im Reisebüro konnten in der Vergangenheit gemeinsame Kunden zufriedengestellt und enormer Schaden von der Branche ferngehalten werden.“ Reiseveranstalter hätten in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass Reisebüros die "wichtigsten Vertriebspartner" seien. "Dieses verbale Lob muss sich nun in einer verbesserten Vergütung ausdrücken."

Von besonderer Bedeutung sind bessere Margen laut Bösl auch für die Nachwuchsförderung. Nur wirtschaftlich arbeitende Betriebe könnten ihre Angestellten und Auszubildenden ordentlich vergüten. "Dem Fachkräftemangel werden wir in unserer Branche nur begegnen, wenn wir die Bezahlung attraktiver gestalten", erklärt er.