07. Juni 2018 – 15:09
Reisen ohne Fahrkartenkontrolle gefällt nicht allen
komfortcheckinkciscreenthumb
Foto: Deutsche Bahn

 

Am vergangenen Dienstag hat die Deutsche Bahn Dienstag auf der ICE-Strecke von Berlin nach Wittenberg ihren neuen Service "Komfort Check-in" (KCI) vorgeführt. Freigeschaltet wurde der Service aber bereits für alle ICE-Verbindungen. Demnach können Fahrgäste, die ihr Flexpreis- oder Sparpreis-Ticket online oder über ihr Smartphone zusammen mit einer Platzreservierung erworben haben, dieses bei Antritt der Fahrt über die App "DB Navigator“ selbst entwerten. Das Signal landet anschließend beim Schaffner, der nur noch die Passagiere kontrolliert, die noch nicht eingecheckt haben.

Im Mai hatte die DB das "Komfort Check-in" auf zwei Strecken vorab getestet und sowohl Kunden- als auch Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Diese seien positiv ausgefallen, sagt ein Konzernsprecher. Man werde in den kommenden Wochen auf viel befahrenen ICE-Strecken zusätzliche Bahnmitarbeiter einsetzen, die Auskünfte zu dem neuen System geben.

Dass es auch Nachteile gibt, liegt auf der Hand: Zum einen ist man gezwungen, 4,50 Euro für eine Reservierung auszugeben. Zum anderen kann man den reservierten Platz nicht einfach mal so gegen einen anderen freien Platz tauschen. Hinzu kommt, dass Reisende mit Tickets vom Automaten oder Schalter sowie jene ohne Smartphone vom KCI ausgeschlossen sind.

Im Internet gaben 25 Nutzer dem neuen System auf der Seite der DB 3,5 von 5 Sternen. Ein Nutzer befürchtet, dass sich Unberechtigte dadurch Leistungen erschleichen, weil sie die Check-in-Daten jemandem weitergeben, der zum Beispiel keine Bahncard hat. Um das zu verhindern, müsse man wiederum einen Abgleich mit dem Personalausweis vornehmen. Andere spekulieren, dass mit dem vereinfachten Check-in Bordpersonal abgebaut werden soll.

Das wird bei der Gewerkschaft nicht gut ankommen. Bahn-Chef Richard Lutz stellt es etwas anders dar: Mit der Zeitersparnis, die sich durch die reduzierte Fahrscheinkontrolle ergebe, könne sich das Personal mehr um die individuellen Wünsche der Fahrgäste kümmern, sagte er laut "Süddeutscher Zeitung".

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) reicht diese Maßnahme nicht. Der Service der Bahn müsse sich generell für alle Kunden verbessern, betonte er kürzlich bei einem Branchentreffen in Berlin. Ein "Zukunftsbündnis Schiene" mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft solle dafür bis zum kommenden Frühjahr konkrete Schritte erarbeiten. Allgemeine Ziele wurden bereits im Koalitionsvertrag vereinbart: Besser abgestimmte Fahrpläne für mehr Umsteigemöglichkeiten, Investitionen ins Gleisnetz und weniger Zug-Lärm.

AF

 

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Zu den Datenschutzbestimmungen ... Zustimmen