21. Februar 2018 – 15:42
GDS treiben NDC-Anpassung voran
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Amadeus-Manager Gianni Pisanello – Foto: Amadeus

NDC (New Distribution Capability) ist der von der Airline-Organisation Iata entwickelte Datenübertragungsstandard, der kurz gesagt dazu dienen soll, Zusatzleistungen, die früher in den Ticketpreis eingeschlossen waren, sichtbar und Buchbar zu machen. In Europa machen die Extragebühren nach einer Erhebung der Beratungsgesellschaft Idea Works mittlerweile fast zehn Prozent der Airline-Umsätze aus.  

Am Montag teilte das GDS Travelport mit, es verfüge nun über die Voraussetzung, um Ancillaries über den neuen Industriestandard zu vertreiben.Fluggesellschaften, die mit NDC arbeiten, können dem Vertrieb damit ihren Content über Travelport zur Verfügung stellen. Die neuen Möglichkeiten sollen in die bestehenden Produkte für Fluggesellschaften und Vertriebspartner integriert werden, „so dass traditioneller Content und die über NDC eingespielten Inhalte parallel zur Verfügung stehen“, kündigt Travelport an. Reisebüros erhalten so in ihrem gewohnten IT-Umfeld Zugriff auf beides.

Nun kündigt auch Marktführer Amadeus an, das Thema mit Hochdruck zu verfolgen. Ein neu aufgelegtes Projekt mit dem Titel NDC-X soll „die Industrialisierung von NDC“ vorantreiben. Das Programm bringe Fachleute aus verschiedenen Abteilungen von Amadeus zusammen und will sich über einen so genannten Test-and-Learn-Ansatz auf praktische Anwendungsfälle des Standards konzentrieren. Leiter des Projekts, das laut Amadeus „strategische Priorität“ hat, ist Gianni Pisanello, der schon diverse Positionen im Airline-Geschäft von Amadeus bekleidete – sowohl auf der IT- als auch auf der Distributions-Seite, wie der Konzern betont. Sein Ziel sei es, „NDC für alle Mitglieder der Reisebranche zum Funktionieren zu bringen“.

Die hektischen Aktivitäten der IT-Dienstleister markieren den Abschluss einer Kehrtwende. Denn die GDS hatten NDC lange als Bedrohung wahrgenommen und argumentiert, sie könnten den Vertrieb von Ancillaries auch ohne den neuen Standard, dessen Integration in ihre Systeme sie vor komplexe Herausforderungen stellt, unterstützen. Die Airlines hatten ihrerseits die Schwerfälligkeit der großen Technikanbieter kritisiert und damit argumentativ die Notwendigkeit untermauert, mehr in den Direktvertrieb zu investieren – und den GDS-Vertrieb schließlich mit höheren Gebühren zu belegen. Nicht ohne Ironie ist in diesem Zusammenhang, dass etwa Amadeus die Lufthansa bei der Entwicklung von „Direct-Connect“-Schnittstellen für Reisebüroorganisationen und Großkunden unterstützte. Zumindest die Debatte um die Existenzberechtigung von NDC ist nun wohl endgültig Vergangenheit. Airlines und GDS werden das Tempo bei der Auslotung neuer Erlösmöglichkeiten mittels des neuen Standards im Eiltempo vorantreiben.

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