30. Mai 2018 – 14:00
BGH-Urteil zu Reiseabsage: Mehrkosten für Alternativreise müssen nicht erstattet werden
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Grafik: Navback/Creative Commons

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Dienstag ein Urteil zum Thema Schadensersatz nach einer durch den Veranstalter kurzfristig abgesagten Kreuzfahrt gefällt. Demnach ist der Veranstalter in diesem Fall zwar zu Schadenersatz in angemessener Höhe verpflichtet. Dieser muss sich aber nicht in der Höhe des vollen Reisepreises bewegen. "Bei dem Anspruch auf Entschädigung nach § 651f Abs. 2 BGB geht es nicht um eine 'zweite Rückerstattung' des Reisepreises", so die Richter, die eine Entschädigung in Höhe von knapp 75 Prozent des Reisepreises wegen "nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit" für angemessen erklärten. Außerdem urteilten die Bundesrichter, dass der Veranstalter nicht für den Mehrpreis einer daraufhin von den Kunden gebuchten anderen Reise aufkommen muss.

In dem konkreten Fall hatten Kreuzfahrtgäste ihren Veranstalter verklagt, weil sie drei Tage vor der Abreise erfuhren, dass auf dem Schiff keine Kabine für sie gebucht war. Als Ersatz buchten sie kurzfristig eine Mietwagen-Rundreise in Florida, die knapp 900 Euro teurer war. Obwohl das Landgericht ihnen eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Höhe von 3.685 Euro – die erwähnten knapp 75 Prozent des Reisepreises – zusprach, ließen die Kläger die Angelegenheit nicht auf sich beruhen und klagten sich weiter durch die Instanzen. Sie verlangten als Entschädigung den vollen Reisepreis und wollten zudem die Mehrkosten für den Florida-Urlaub erstattet bekommen.

Der BGH wies die Klage zurück und bestätigte damit das ursprüngliche Urteil des Landgerichts. Die Richter erklärten, dass eine “vereitelte Reise”, um die es sich hier gehandelt habe, für die Kunden nicht so schlimm sein müsse wie eine durch Mängel erheblich beeinträchtigte Reise, die ihren Erfolg nahezu vollständig verfehlt. Nur dann sei eine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises nämlich angemessen. Bei der ausgefallenen Reise hätten die Kunden immerhin frei über ihre Zeit verfügen können, was sie über die Buchung der Ersatzreise ja auch taten. Deshalb habe das Landgericht korrekt entschieden. Eine Erstattung der Mehrkosten für die Ersatzreise sei deshalb nicht angemessen, weil die ursprünglich gebuchte Kreuzfahrt nicht stattgefunden habe. Folglich könne die Ersatzreise auch nicht als Abhilfe für einen erheblichen Reisemangel gewertet werden.

Weitere Details zum BGH-Urleil lesen Sie hier.

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