Der neue Reise vor 9 Magazin ist da!

20. Dezember 2017 – 15:51
jt-weihnachtsgruss

Dass kleine Gesten manchmal große Wirkung entfalten, ist bekannt. Doch nicht immer ist die Wirkung so, wie der Absender sich das wünscht. Jedenfalls löste ein simpler und zudem unverfänglich formulierter Weihnachtsgruß des insolventen Berliner Veranstalters an seine Geschäftspartner auf einschlägigen Social-Media-Plattformen eine umfangreiche, ziemlich emotional geführte Debatte aus. "Dürfen die das? Nach allem, was passiert ist?" Dabei zeigte sich deutlich, dass der Reisebürovertrieb in seiner Haltung zu dem insolventen Veranstalter, der nun vom Discounter Lidl übernommen werden soll, zutiefst gespalten ist und dass bei einigen Vertretern die Nerven ziemlich blank liegen. Die Bandbreite der Kommentare erstreckt sich von nicht zitierfähigen Beiträgen mit dem Tenor, Unternehmensgründerin Jasmin Taylor lasse es sich in ihrer Villa gut gehen, während der Vertrieb seine Provision abschreiben müsse, bis hin zu verständnisvollen Anmerkungen hartnäckiger "Sympathisanten“. Dass dabei auch der Kontrast zwischen den pompösen Promi-Parties der Unternehmerin, ihrem Auftritt in der Doku-Soap „Shopping Queen“ und der neuen Zuflucht des Veranstalters immer wieder gernüsslich zelebriert wird, verwundert nicht. Jedenfalls verdeutlichen die Dialoge, dass nicht wenige Verkaufsprofis nach dem Pleite-Chaos der vergangenen Monate ein ausgeprägtes Bedürfnis haben, mal richtig Dampf abzulassen. Nachvollziehbar ist das ja.

Christian Schmicke

 

20. Dezember 2017 – 14:14

Wenn Deutschlands oberste Testinstitution, die Stiftung Warentest, sich eines Themas annimmt, dann ist ihr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewiss. Schließlich gilt die mit öffentlichen Mitteln geförderte Stiftung, anders als Medien und sonstige Akteure, die sich in diesem Tätigkeitsfeld tummeln, als besonders unabhängig und gewissenhaft in ihrer Methodik. Deshalb dürfte auch die Touristik das jüngste Ergebnis eines Veranstaltertests durch die Stiftung aufmerksam verfolgen.

Mit Alltours, Dertour, FTI, Neckermann, Schauinsland und Tui knöpften sich die Tester Marken der größten Anbieter vor, um sie auf ihr Preisniveau, die Kundenzufriedenheit, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten und Mängel in den AGB zu überprüfen. Einen eindeutigen Testsieger konnten sie nach eigener Aussage nicht ermitteln. In allen vier Disziplinen positiv schnitt nach ihrem Urteil als einzige Marke Neckermann ab.

Für die Anbieter erfreulich fiel das Ergebnis einer Umfrage unter 400 Kunden zur Zufriedenheit aus. Zwischen 75 (FTI) und 88 Prozent (Tui und Neckermann) der Teilnehmer erklärten, sie seien mit der Produktqualität der Anbieter zufrieden. Zwischen 88 (FTI) und 94 Prozent (Tui) gaben an, sie würden bei dem Veranstalter wahrscheinlich wieder buchen.

Schauinsland am billigsten, Dertour am teuersten. Interessant ist, dass zwischen der Einschätzung der Kunden zum Preisniveau der Veranstalter und dem Testergebnis eine Lücke klafft. So ermittelte die Stiftung Warentest Schauinsland als günstigsten Veranstalter, während die Kunden dieses Attribut am ehesten Alltours zuschrieben. Im Test lagen die Preise von Alltours hingegen um knapp elf Prozent über denen von Schauinsland, als teuersten Anbieter identifizierten die Warentester Dertour und als zweitteuersten Tui.

In Sachen Nachhaltigkeit bescheinigt die Stiftung den Veranstaltern Nachholbedarf. Bei Tui und Neckermann wollen sie immerhin "Hinweise auf ein nennens­wertes Engagement für Umwelt­schutz und Soziales“ entdeckt haben. Dertour werden "wenigs­tens Ansätze zur Nach­haltig­keit" attestiert. Die anderen Veranstalter böten dazu hingegen "wenig bis nichts Erkenn­bares“.

In den Geschäfts­bedingungen der Veranstalter fanden die Tester nur wenige unzu­lässige Klauseln. Eine Ausnahme sei FTI, bemängeln sie. So behalte sich der Veranstalter vor, Reisen, bei denen die Mindest­teilnehmerzahl nicht erreicht werde, zwei Wochen vor Reise­beginn abzu­sagen. Bezahlt werden müssten diese aber 30 Tage vor Antritt. Für kritikwürdig befand die Stiftung Warentest einige "verbraucherunfreundliche Klauseln“. Diese bezogen sich in der Regel auf hohe Anzahlungen und Stornokosten.

Aussagekraft ist begrenzt. Bleibt die Frage, welcher Erkenntnisgewinn sich aus dem Veranstaltertest ableiten lässt. An der Kundenbefragung mit 400 Kunden aus einer für die deutsch­sprachige Onlinebevölkerung ab 18 Jahren repräsentativen Gruppe gibt es nichts zu bemängeln. Über das positive Ergebnis kann sich die Touristik durchaus freuen. Der Aussagewert des Preisvergleichs ist dagegen begrenzt. Denn wie die Tester selbst einräumen, waren sie zwar bemüht, vergleich­bare Reisen auszuwählen. Doch gelinge dies selten hundert­prozentig, weil die Veranstalter nicht immer dasselbe Hotel, dieselbe Air­line und dieselben Flug­zeiten anböten. Ermittelt werden konnte damit allenfalls eine Art mittleres Preisniveau der Veranstalter bei jeweils 30 Urlaubspaketen, der Vergleich identischer Produkte fehlt dagegen. Als grober Orientierungsrahmen mag dies etwas taugen, den individuellen Preisvergleich erspart der Test den Kunden aber keineswegs.

Einigermaßen dünn fällt auch der Test der Nachhaltigkeitsaktivitäten aus. Dafür wurde auf den Websites nach Informationen zum Thema gesucht. Die Veranstalter selbst sollten in einer Befragung Auskunft zu ihrer Unter­nehmens­politik zur Nach­haltig­keit geben und ihre Nach­haltig­keits­aktivität mit Dokumenten belegen, beispiels­weise Zertifikaten. Das kratzt allenfalls an der Oberfläche der komplexen Thematik, denn die Ergebnisse basieren ausschließlich auf der Selbstdarstellung der Unternehmen. Ein echter Test sieht anders aus.

Christian Schmicke

 

19. Dezember 2017 – 17:18
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Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien macht die Niki-Pleite den Veranstaltern jede Menge Arbeit. Urlauber, die noch mit Niki in die Zielgebiete gereist waren, pünktlich vor Weihnachten nach Hause zu bringen, ist die eine Sache. Passende Flüge für jene Kunden zu finden, die ihren Urlaub inklusive Niki-Flug in den Weihnachtsferien gebucht hatten, das andere Problem. Marktführer Tui schätzt, dass rund 5.000 seiner Gäste bis zum Jahresende von der Niki-Pleite betroffen sind. Bis zum Ende der Sommersaison seien es knapp 36.000.

Sonderflüge von Tuifly und Condor. Sorge, nicht verreisen zu können oder am Urlaubsort festzusitzen, müsse jedoch niemand haben, beteuert Tui. Für sämtliche Kunden könnten passende Flüge gefunden werden. Dazu beitragen sollen unter anderem 60 Sonderflüge noch in diesem Jahr, größtenteils mit der hauseigenen Tuifly. Sonderflüge legt auch Condor auf. Sieben Sondermaschinen setze man ein, um Kunden in den Urlaub oder nach Hause zu befördern, teilt das Mutterunternehmen Thomas Cook mit. Wie viele Kunden ursprünglich auf Niki-Flüge gebucht waren, kann oder will der Konzern nicht sagen.

Neue Flugzeiten, Flugtage und Airports. Auch DER Touristik, Alltours und FTI hüllen sich zur Zahl betroffener Gäste in Schweigen. Zugleich sind sie bemüht, den Eindruck zu erwecken, dass sie die Lage im Griff haben. Gleichwohl räumen sie ein, dass es zu Weihnachten Engpässe gibt. Geänderte Flugzeiten sind bei Flugumbuchungen der Normalfall, aber auch neue Abflughäfen und geänderte Reisetage sind an der Tagesordnung. Der Duisburger Veranstalter Schauinsland Reisen, der nach eigener Aussage täglich für 150 bis 300 Gäste Alternativen finden muss, erklärt, rund 80 Prozent der Fälle seien binnen kurzer Zeit lösbar. Und wenn Probleme aufträten, versuche man, "im Sinne der Kunden eine Lösung zu finden".

Für manche Kunden muss ein neues Ziel her. DER Touristik teilt mit, Gästen, die nicht umgebucht werden könnten, biete man veränderte Reisetermine an. Zudem schlage man den Kunden Umbuchungen auf alternative Strecken und Ziele vor. Auch FTI-Geschäftsführer Ralf Schiller bestätigt, dass sich die Suche nach Alternativen nicht immer ohne Airport- und Verkehrstagswechsel bewerkstelligen lasse. "Für einzelne Zielgebiete, wie beispielsweise Madeira, wo Flugkapazitäten begrenzt sind, bieten wir Kunden in bestimmten Fällen andere Destinationen an", sagt er.

In zwei Tagen auf die Kanaren. Wie umständlich und kostspielig die Suche nach Lösungen für Urlauber und Veranstalter sein kann, zeigt ein Beispiel von DER Touristik. Die befördert Kunden aus Wien und Salzburg, die am Heiligabend von Wien oder von Salzburg via München nach Gran Canaria fliegen sollten, nun am 23. Dezember zunächst nach Hannover, wo sie auf Kosten des Veranstalters übernachten und verpflegt werden. Von dort aus geht es am 24. weiter auf die Kanareninsel.

Vorteil: Charter. Auf Entspannung dürften die Zeichen erst zum Ende der Weihnachtsferien nach dem 8. Januar  stehen, wenn die saisontypische Nachfragedelle einsetzt. Für die mittel- und langfristigen Planungen der Veranstalter bleiben indes viele Fragen offen. Zuverlässige Planungen gestalten sich vor diesem Hintergrund schwierig. Wer einen größeren Teil seiner Flugplanungen mit Chartern außerhalb der Airberlin-Gruppe geregelt hat, ist 2018 jedenfalls klar im Vorteil.

Christian Schmicke

19. Dezember 2017 – 15:04
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Die französische Reederei Ponant hat die norwegische Vard-Werft, eine Tochtergesellschaft der italienischen Fincantieri-Werft, mit dem Bau eines Eisbrechers beauftragt, der von 2021 an in See stechen soll. Der "Ponant Icebreaker", so der Projektname, wird mit Dual-Fuel-Motoren ausgestattet und kann so mit umweltfreundlichem LNG als Treibstoff betrieben werden. Zusätzlich erhält das Schiff Akkus, um kürzere Strecken emissionsfrei mit Elektroantrieb zu überwinden. Auch Energiemanagement und Wasseraufbereitung sollen sich auf dem neuesten Stand der Technik befinden.

Der Expeditions-Eisbrecher soll 135 Kabinen bieten, bei einer Länge von 150 Metern bei 10 Metern Tiefgang. An Bord gibt es drei Restaurants. Um die Mobilität in polaren Gefilden zu optimieren, sollen neben 16 Zodiacs auch zwei Helikopter mitgeführt werden. Die Besatzungsstärke ist auf 187 Personen angesetzt. Der Rumpf des Schiffes soll Polarklasse 2 entsprechen. Diese zweithöchste Polarklasse bedeutet, dass das Schiff mit mittlerem, mehrjährigem Treibeis in den Extremzonen der südlichen und nördlichen Hemisphäre zurechtkommt.

Nicolas Dubreuil, Expeditionsleiter der Reederei Ponant, wirbt schon im Vorfeld euphorisch für die Möglichkeiten der neuen Schiffsklasse: "Der Icebreaker wird es uns ermöglichen, Orte zu besuchen, die bisher aufgrund Ihrer extremen Abgeschiedenheit unzugänglich waren. Ich habe mir bereits Expeditionskreuzfahrten durch das Packeis vor Nunavut und Grönland vorgestellt, auf denen man den Inuit Siedlungen besonders nah kommen kann. Unsere Gäste werden die Möglichkeit haben vom Schiff zu gehen, das Eis zu betreten und in das Leben dieses ursprünglichen Volkes einzutauchen. In der Antarktis hingegen werden wir die Kaiserpinguine auf dem Packeis hautnah erleben. Und auch eine Expedition zum Nordpol muss nicht mehr länger ein unerfüllter Traum bleiben."

 

 

19. Dezember 2017 – 11:15

Anlass für die Entscheidung der Tui ist ein neues Gesetz, das am 13. Januar in Deutschland in Kraft tritt. Es verbietet die Erhebung von Gebühren bei so genannten "regulierten Kreditkarten“. Dabei handelt es sich um Karten, die über die Privatkonten der Nutzer abgerechnet werden und nicht direkt von der Kreditkartenfirma, sondern von Banken an ihre Kunden ausgegeben werden. Das ist bei den meisten privat genutzten Kreditkarten der fall. Tui kündigt nun an, der Konzern werde bei sämtlichen Kreditkarten auf die Gebühr verzichten. Die Abschaffung der Gebühr gilt damit auch bei nicht regulierten Karten, die außerhalb der EU ausgestellt wurden, sowie Firmenkreditkarten oder den Karten von American Express.

18. Dezember 2017 – 14:42
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Der Kreuzfahrtverband Clia hat seine Prognose für das kommende Jahr abgegeben und weist auf die wichtigsten Entwicklungen hin, die das Kreuzfahrtsegment nach seiner Einschätzung im kommenden Jahr prägen werden. Insgesamt geht der Verband davon aus, dass sich 2018 mehr als 27 Millionen Passagiere weltweit eine Kreuzfahrt gönnen; gut fünf Prozent mehr als im auslaufenden Jahr. Die wichtigsten Trends laut Clia:

Kreuzfahrer finden sich in allen Einkommensklassen. Zwar sind gut situierte Haushalte insgesamt nach wie vor in der Mehrheit. Günstigere Preise und kürzere Reisedauern machen das Segment aber auch für Bezieher geringerer Einkommen erschwinglich.

Ausgefallene Erlebnisse gewinnen an Bedeutung. Der Wunsch der Kunden, intensiver in die Reisesziele einzutauchen, macht auch vor dem Kreuzfahrtsektor nicht Halt. Neben Standardausflügen werden daher individuellere Angebote wie Harley-Touren in Alaska oder Pinguinbeobachtung in der Arktis wichtiger.

Nachhaltigkeit. Die ökologische und soziale Bilanz der Branche steht im Fokus. Technische Neuerungen und Initiativen, etwa zum Recycling und zur Müllvermeidung, werden für die Reiseentscheidung der Kunden wichtiger.

Millennials auf Flusskreuzfahrt. Die Bemühungen der Anbieter von Flusskreuzfahrten, ihr Publikum zu  verjüngen, tragen Früchte. Auf Millennials warten nach Einschätzung der Clia "perfekte Instagram-Momente".

Opa-Oma-Enkel-Trips.  Der Anteil der Reisen, bei denen Großeltern ohne die dazwischen liegende Generation mit den Enkeln unterwegs sind. wächst.

Kalte Ziele heiß begehrt. Das Baltikum, Kanada, Alaska und die Antarktis liegen im Trend – auch in der kalten Jahreszeit.

Wellness als Erfolgsfaktor. Gesundheit für Körper, Geist und Seele wird nicht nur im Alltag ein immer wichtigerer Faktor. Mittlerweile gibt es ganze Weight-Watchers-Kreuzfahrten und eigene Angebote für veganes Reisen, aber auch für Allergiker und Diabetiker.

Noch mehr Technik an Bord. Die Schiffe werden immer smarter. Armbänder mit Sensoren sorgen für Zutritt, Buchungen und Abrechnung. Sämtliche Services können da geordert werden, wo der Gast sich gerade befindet.

Reisebüros auf der Erfolgsspur. Der Counter bleibt wichtigster Vertriebsweg für das beratungsintensive Kreuzfahrtprodukt. 

18. Dezember 2017 – 13:40

55 Prozent der mehr als 600 Reisebürochefs und -mitarbeiter, die sich an einer exklusiven Umfrage für Gloobi.de beteiligten, glauben nicht, dass der insolvente Berliner Veranstalter JT Touristik unter seinem neuen Gesellschafter Lidl erfolgreich sein wird. Wie aus zahlreichen Kommentaren hervorgeht, halten viele Vertriebsprofis die Marke JT Touristik, die sich stark an der Gründerin und Inhaberin Jasmin Taylor orientierte, nach der Pleite Ende September für „verbrannt“. Immerhin 45 Prozent der Reiseverkäufer gehen hingegen davon aus, dass JT  Touristik mit dem finanzstarken Discounter Lidl im Rücken durchaus Chancen hat, den Veranstaltermarkt erneut aufzumischen. Allerdings vermuten viele, dass dieser Erfolg weniger über den Reisebürovertrieb als über die Produktion für die Reisesparte des Discounters zustande kommt.

Ohnehin hält sich die Bereitschaft, mit einer JT Touristik unter Lidl-Führung zusammenzuarbeiten, in Grenzen. Knapp 70 Prozent der Reisebüros erklären, sie wollten nicht mit dem Veranstalter kooperieren; einige von ihnen führen als Grund dafür die ausgebliebenen Provisionszahlungen im Zuge der Insolvenz an. Andere sehen den Discounter Lidl, der mit seiner Aktionsware seit vielen Jahren im Reisegeschäft aktiv ist, als Konkurrenten, den sie nicht unterstützen wollen. Immerhin: Gut 30 Prozent könnten sich eine künftige Zusammenarbeit vorstellen –  sofern Lidl im Reisebürovertrieb faire Vergütungen zahlt und dieselben Preise garantiert wie im Eigenvertrieb. Manche Reisebüros würden eine künftige Zusammenarbeit auch davon abhängig machen, ob sie die ausstehenden Provisionszahlungen von JT Touristik doch noch erhalten.

Noch skeptischer als der vertrieb beurteilen die rund 150 Mitarbeiter von Reiseveranstaltern, die sich an der Umfrage beteiligten, die Perspektiven für den neuen, alten Konkurrenten. Rund 60 Prozent senkten in puncto Erfolgschancen den Daumen.  Insgesamt beteiligten sich rund 800  Touristiker an der Online-Umfrage.

 

18. Dezember 2017 – 12:47
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Der Kooperationsverbund hält seine Tagung im nächsten Jahr im türkischen Belek ab. Die Veranstaltung steigt vom 17. bis zum 20. Mai, also zu Beginn des Pfingstwochenendes. Auf dem Programm stehen vor allem aktuelle Themen wie die EU-Datenschutz-Grundverordnung und die EU-Pauschalreiserichtlinie. Beide treten kurze Zeit später in Kraft. Außerdem stehen touristische Fachgespräche, Workshops und die übliche Reisemesse auf der Agenda.

Dass der Tagungsort in der Türkei angesichts der aktuellen politischen Spannungen Anlass zu Diskussionen geben könnte, weiß QTA-Chef Thomas Bösl. Deshalb betont er, dass der Beschluss darüber von den Mitgliedskooperationen Neckermann Reisen Partner/Team, Reiseland, RTK, Schmetterling und TUI Travel Star einstimmig getroffen worden sei. Die QTA sei schließlich kein politisches Bündnis, sondern eine Vertriebsorganisation, und für die seien die türkischen Touristiker geschätzte Partner, zu denen man eine intensive Bindung aufgebaut habe. Teil der Tagung ist daher ein türkisch-deutscher Abend, mit dem man, so der QTA-Sprecher, den türkischen Gastgebern für die langjährige gute Zusammenarbeit danken wolle. Damit seien nicht nur die Hoteldirektoren gemeint, sondern "vor allem auch Rezeptionisten, Reiseleiter, Busfahrer, Zimmermädchen und alle anderen, die unsere Kunden stets mit großer Gastfreundschaft empfangen", sagt Bösl.

Die bisher letzte QTA-Tagung fand 2014 im ägyptischen Luxor statt.

 

17. Dezember 2017 – 20:15

Während Veranstalter und Airlines damit beschäftigt sind, Flugpläne auf das Aus der insolventen Airberlin-Tochter abzustimmen, wird der Ton in der Debatte um einen Käufer für die Airline, die zuletzt 21 Maschinen betrieb, schärfer. Interessiert an Niki sind offenbar neben dem Gründer der Fluggesellschaft, dem früheren Formel-1-Piloten Niki Lauda, Condor, Ryanair und ein Bieterkonsortium um das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht und die Wartungsfirma Nayak. Letztere haben bereits die Techniksparte von Airberlin sowie die Frachttochter Leisure Cargo übernommen.  

Richtig Schlagzeilen macht aber vor allem Niki Lauda. Er äußert sich in zahlreichen österreichischen Medien und wirft Lufthansa vor, sie habe sich sozusagen heimlich die Maschinen von Niki einverleibt, so dass diese nun nur noch über zwei bis drei Flugzeuge verfüge und praktisch wertlos sei. Denn ohne Flugzeuge bestehe kein Anspruch auf Slots, die das eigentliche Objekt der Begierde sind. Lufthansa erklärt dazu laut der österreichischen Tageszeitung "Standard“, dass sie neun Flugzeuge von Niki besitze. Dies gehe auf die Pleite von Airberlin zurück. Einen Großteil der Maschinen bei Air Berlin und Niki habe man von Leasingfirmen gemietet. Diese hätten zuvor damit gedroht, ihre Maschinen einzuziehen, um nicht auf ihrem Geld sitzenzubleiben. Daher habe die EU-Kommission Lufthansa schon während der Prüfphase ausnahmsweise erlaubt, Niki-Jets zu erwerben, um den Flugbetrieb aufrecht erhalten zu können. Sollte die Übernahme platzen, sei vereinbart gewesen, dass gekaufte oder geleaste Flugzeuge einem Käufer "zu Marktkonditionen zur Verfügung gestellt werden müssen", zitiert das "Handelsblatt". An diese Vorgaben werde sich Lufthansa halten.

Für die potenziellen Investoren ist Niki durch die Pleite indes offenbar attraktiver geworden als zuvor. Das hat handfeste Gründe: Der nachteilige Leasingvertrag für sieben Tuifly-Maschinen ist aufgelöst, und der defizitäre Flugbetrieb, der laut Medienberichten zehn Millionen Euro pro Woche kostete, muss nicht zwischenfinanziert werden. Wer nun zum Zuge kommt, bleibt abzuwarten. Der rasende Lauda will dem Vernehmen nach bis Mittwoch entscheiden, ob er für Niki bietet. Laut "Spiegel“ soll er dafür bereits eine österreichische Großbank ins Boot geholt haben.

15. Dezember 2017 – 15:23
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Ende Juli machten sie ernst. Angehörige der linksgerichteten autonomen Gruppierung Arran, einer Jugendorganisation der pro-katalanischen Partei CUP, stoppten in der Nähe von Barcelonas Fußballarena Camp Nou einen vollbesetzten Touristenbus und sprühten auf seine Frontscheibe in katalanischer Sprache "Tourismus tötet die Stadtteile". Außerdem zerstachen sie einen Reifen. Wenige Tage später traktieren Mitglieder derselben Gruppe mit Messern die Reifen von Mietfahrrädern, mit denen vor allem Touristen gerne durch die katalanische Metropole radeln. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Aber die Aktionen, die noch vor dem Terroranschlag Mitte August und der aktuellen Ausweitung des katalanisch-spanischen Konfliktes stattfanden, zeigen, dass der Unmut gegenüber einer gefühlten Überflutung von Städten und Regionen durch zu viele Touristen das Zeug hat, ganz schnell zu eskalieren.

Wachsende Spannungen. Barcelona, mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern und acht Millionen Touristen pro Jahr, ist längst nicht das einzige Beispiel für wachsende Aversion gegenüber Touristen. Auch in Palma de Mallorca gab es im Sommer Protestaktionen unter dem Motto: "Stadt für die Bewohner, nicht für die Besucher". In Venedig, wo auf etwa 55.000 Einwohner rund 17 Millionen Besucher pro Jahr kommen, tobt der Kampf schon länger. In der winzigen Altstadt von Dubrovnik drängen sich bis zu 12.000 Kreuzfahrturlauber gleichzeitig. Hinzu kommen zahlreiche, meist jüngere Filmfans, seit die Stadt Kulisse für die Kultserie "Game of Thrones“ dient. Berliner sind genervt über Massen jungen Partyvolks in In-Bezirken wie Mitte und Kreuzberg. Island ächzt unter dem Besucheransturm der letzten Jahre. In Perus berühmter Ruinenstadt Machu Picchu wurde in diesem Jahr Schichtbetrieb eingeführt, um den Massen Herr zu werden. Und auch in der Musikmetropole New Orleans, die den Tourismus nach Hurrikan „Katrina“ eigentlich als bestes Mittel zur wirtschaftlichen Erholung ansah, formiert sich mittlerweile Widerstand gegen lärmende Massen.

Politische Konsequenzen. Die Liste ließe sich fortsetzen. „Overtourism“, wie es mittlerweile im Fachjargon heißt, bestimmt die Schlagzeilen vieler Medien, nicht nur in Deutschland. Mit dem Stimmungsbild, das sich zunehmend gegen Touristen richtet, verändert sich mancherorts auch die politische Agenda. Etwa in Barcelona. Nachdem die touristischen Erfolge der Stadt jahrelang lauthals gefeiert wurden, regiert seit Mitte 2015 mit Ada Colau eine Aktivistin einer basisdemokratischen Bürgerplattform die Stadt, die ihren Wahlkampf unter anderem mit dem Slogan „Wir wollen nicht wie Venedig werden“ führte. Sie schränkte die Vergabe von Lizenzen für neue Hotels massiv ein und versucht zudem, die Vermietung privater Wohnungen an Urlauber, zum Beispiel über Airbnb, in die Schranken zu weisen.

Reizthema Airbnb. Airbnb gilt vielen Overtourism-Kritikern als ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung gegenüber Touristen, vor allem in Metropolen. Groß geworden aus dem Wunsch vieler, vor allem jüngerer Besucher, beim Städtetrip nicht in anonymen Hotels zu wohnen, sondern als Untermieter tiefer in die Stadt und ihre Szene einzutauchen und bei der Gelegenheit auch den Geldbeutel zu schonen, ist Airbnb mit weltweit rund vier Millionen Übernachtungsangeboten ein echter Big Player geworden. Und zugleich zum Problem. Ein Beispiel dafür ist Berlin. Laut Airbnb vermieteten 2016 22.400 Berliner an 600.000 Gäste für durchschnittlich 4,5 Nächte ganze Wohnungen oder Teile davon. Das ist nicht nur der Hotellerie ein Dorn in Auge, sondern auch von ständig wechselnden, feiernden Nachbarn geplagten Bewohnern der Berliner Szene-Kieze. Zudem verknappe die lukrative Vermietungsoption über das Portal den Wohnraum, der den Berlinern zur Verfügung stehe, lautet ein weit verbreiteter Vorwurf. Der rot-rot-grüne Senat will deshalb nach dem 2014 eingeführten Zweckentfremdungsverbot inklusive Genehmigungspflicht für die Ferienvermietung die maximale legale Vermietungsdauer für komplette Wohnungen auf 60 Tage im Jahr begrenzen.

Kreuzfahrten als Beschleuniger. Ein weiterer Faktor ist das massive weltweite Wachstum des Kreuzfahrttourismus. Immer mehr und immer größere Schiffe verteilen sich auf eine keineswegs im gleichen Maße wachsende Zahl von Häfen. Während manche Destinationen, wie etwa die Emirate oder einige karibische Inseln, unverändert um mehr und mehr Kreuzfahrtgäste buhlen, haben andere die Nase voll. Als zusätzliche Booster für den Touristenansturm, der den sozialen Frieden in manchen Destinationen bedroht, wirken niedrige Flugpreise und virale Effekte durch Social Media. Erstere sind eine Folge des Low-Cost-Booms, letztere führen dazu, dass sich die Kunde, wo der "place to be“ gerade ist, immer rasanter verbreitet. Zwar werden die Wünsche von Touristen, zumal der jüngeren Generation, nach Erkenntnissen der Marktforscher immer individueller, doch ironischerweise reisen auch im Zeitalter der Massenindividualität alle dahin, wo alle hinreisen.

Branche sieht Gefahrenpotenzial. Die Vielfalt der Probleme und Proteste führt dazu, dass sich längst nicht mehr nur Polit-Aktivisten damit beschäftigen, sondern auch Regierungen und, ja, die Tourismusbranche selbst. "Lenkung tut not“, sagt etwa Peter-Mario Kubsch, Chef des Studienreiseveranstalters Studiosus. Kein Wunder – schließlich zählen seine Gäste vielleicht nicht zu den Hauptverursachern von "Overtourism“, aber sie bekommen seine Folgen zu spüren, wenn sie überfüllte Attraktionen, Wanderrouten oder Radwanderwege erleben. Und selbst ein hochrangiger Manager eines erklärten Massenveranstalters räumt freimütig ein, dass ihn beim Besuch der Zone um den berüchtigten "Ballermann“ auf Mallorca, das nackte Grauen erfasst habe. Wenn es zu viel, zu laut, zu rüpelig wird, so die einmütige Erkenntnis, wird das auf längere Sicht viele Gäste abschrecken.

Christian Schmicke

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